Wallanlagen

Lieblingsort Wallanlagen Bremen und Freizeit Bremen Blick auf den Wallgraben

Buchtipp

Rudi Palla
"Unter Bäumen"

Reisen zu den größten Lebewesen


Zsolnay-Verlag 2006
25.90 Euro

"Zwischen Lust und Wandeln
200 Jahre Bremer Wallanlagen"


Stadtgrün (Hrsg)
Temmen-Verlag, Bremen


Mein Lieblingsort
Die Wallanlagen in Bremen

Die Wallanlagen sind Bremens Innenstadtgarten. Eine grüne Lunge, eine Oase der Muße und Ruhe, vor allem frühmorgens, wenn der Tag noch jung ist. Wenn er schön zu werden verspricht, leuchten hinter den Häusern am Wall die Domturmspitzen am blauen Himmel im Sonnenlicht, und vor allem dann sind die Wallanlagen mein Lieblingsort.

Tägliche Pflege

Die emsigen Gärtner von Stadtgrün haben ein wachsames Auge und sorgen schon in aller Herrgottsfrühe dafür, dass die beschauliche Idylle erhalten bleibt. Mit schnurrenden Elektroautos fahren sie herum, um Papierkörbe zu leeren, Blumen zu pflanzen, Bäume und Sträucher zu beschneiden. Manchmal muss auch ein Baum dran glauben, was schon zu entschiedenem Protest der Anwohner der Contrescarpe geführt hat.

Lesen beim Gehen

Ich freue mich täglich auf jene Frau, die mir raschen Schrittes entgegenkommt, ohne aufzusehen, weil sie im Gehen ein Buch liest. Herrchen und Frauchen lassen ihren Hunden freien Lauf, damit die Tiere sich schnuppernd begrüßen können, Walker und Jogger traben die Wege entlang, undneuerdings nehmen die Raucher zu: Rasch noch ein paar gierige Züge, ehe man im rauchfreien Büro verschwindet.

Im Entenmarsch

Im Frühjahr flitzen Blesshühner zum Wallgraben als würden sie verfolgt, schaukeln Möwen gemütlich auf dem Wasser und watscheln treue Entenmännchen ihren Weibchen hinterher. Wenn man Glück hat, sieht man ein paar Wochen später den Nachwuchs im Entenmarsch hinterher trippeln. Kleine, braune, wollige Knäuel, denen Krähen und Hunde leider häufig den Garaus machen.
Apropos Krähen: Vorsicht zur Brutzeit, da können die schwarz gefiederten Vögel, die unter Naturschutz stehen, Jogger schon mal anfallen (mich inclusive), um ihre Nester vor möglichen Angreifern zu schützen.

Wundersames Überleben

Wenn der Frühling nicht mehr zu übersehen ist, wenn alles zu grünen, zu blühen und zu duften beginnt, dann hat auch der Ginkgo-Baum gleich hinter dem Bischofstor auf der rechten Seite Richtung Innenstadt seine hellgrünen Blättchen entfaltet. Ich bewundere diesen knorrigen Baum, das älteste lebende Fossil der Pflanzenwelt. Die ungewöhnliche Form der Blätter erklärt seinen Namen "Entenfußbaum"(jap. Ginkyo). Ein Exemplar seiner Gattung steht heute inmitten eines wieder aufgebauten Shinto-Tempels nahe Hiroshima. Er überlebte die Atomkatastrophe und trieb neue Schösslinge aus.

Ein Buch über Bäume

Die Geschichte des Ginkgo-Baumes ist in einem spannenden Buch nachzulesen:
Rudi Palla: "Unter Bäumen – Reisen zu den größten Lebewesen"
Der Autor erzählt botanische und geografische Geschichten über Bäume und hat dabei anekdotisches, geografisches und literarisches Material gefunden, das aus den knorrigen Riesengewächsen lebendige Wesen macht. Ihre Biografien lesen sich so spannend wie die eines Menschen.

Wer Glück hat, findet vielleicht antiquarisch (über eine Internetbuchhandlung) "Zwischen Lust und Wandeln" aus dem Bremer Temmen-Verlag, herausgegeben von Stadtgrün zum 200jährigen Jubiläum der Bremer Wallanlagen.
In diesem schön illustrierten Bild- und Textband wird die bewegte Geschichte der Wallanlagen erzählt, die mit ihrer "Entfestigung" Anfang des 19. Jahrhunderts begann, um aus den mittelalterlichen Befestigungsanlagen "öffentliche Spaziergänge" zu machen. Anhand vieler Beispiele ensteht mit diesem Buch ein lebendiges Stück Bremer Stadtgeschichte - von Denkmälern und ihrem Schutz, Landschaftspflege und Gartenarchitektur im Wandel der Zeiten, Lust und Muße, Aktionen und Festen.

(Christiane Schwalbe)