
Alternative Medizin
und
Naturheilmittel
"Der Menschenkörper, diese lebendige Uhr vom besten Gang und Schlag, liefe und schlüge vortrefflich, wenn nicht der Menschentor Schmutz und Sand und anderen Unrat zwischen die Räder werfen und so den geordneten Lauf stören, vielleicht zerstören würde."
Sebastian Kneipp (1821 bis 1897) hat vor mehr als 150 Jahren drastisch formuliert, was heute selbstverständliche Erkenntnis ist: An vielen Krankheiten sind wir selbst schuld. Nicht nur Gesundheitsapostel predigen angesichts weiter zunehmender Zivilisationskrankheiten: Ballaststoffreiche Kost, täglich Obst und Gemüse, viel Bewegung und wenig Alkohol, dann ist der Körper gegen viele Krankheiten gewappnet.
Dass Wasser – innen und außen angewendet – ein Gesundheitsfaktor ist, hat Sebastian Kneipp an sich selbst ausprobiert: Er besiegte seine Tuberkulose mit Bädern in der eiskalten Donau. Kneipp, der als Pfarrer in Wörishofen arbeitete, entwickelte und verfeinerte seine Heilmethoden zu einer Geist, Körper und Seele umfassenden Ganzkörpertherapie, die wir heute als Hydrotherapie bezeichnen.
Sein erstes Buch "Die Wasserkur", 1886 erstmals erschienen, machte ihn weltweit bekannt. Kneipp war Autodidakt und hat nie den Anspruch erhoben, Arzt zu sein. Er überließ in schwierigen Fällen die Behandlung den Medizinern.
Die Grundlagen seiner Lehre sind denkbar einfach:
"Die Mittel, welche das natürliche Heilverfahren beansprucht, beruhen in Licht, Luft, Wasser, Diät, Ruhe und Bewegung in ihren verschiedenen Anwendungsformen, Dinge, die, wenn sie normal vorhanden, den gesunden Organismus gesund erhalten und wieder gesund machen können, wenn er erkrankt ist."
Kneipps Therapie ist ein ganzheitliches Konzept der klassischen Naturheilkunde, schließt regelmäßige Bewegung und eine ausgewogene Ernährung ein und hilft vor allem vorbeugend bei chronischen Erkrankungen: Aufbau und Stärkung der Abwehrkräfte, Stabilisierung von Herz und Kreislauf und "Abhärtung" des Organismus. Heute heißt das: Stärkung der Immunabwehr.
Die Behandlungen lassen sich während einer speziellen Kneippkur lernen, aber man kann die wesentlichen Anwendungen auch zu Hause ausprobieren. Mit kleinen Reizen wird der Körper angeregt, seine Selbstheilungskräfte in Gang zu setzen, wobei das Grundprinzip ist: warm – kalt – warm.
Ein warmer Körper wird mit kalten Wasserbehandlungen angeregt und anschließend wieder erwärmt – mit Bewegung oder Ruhe.
"Wie man dem Körper dadurch nützlich sein und ihn vor Krankheiten und Gebrechen aller Arten schützen kann, indem die Füße und auch der ganze Körper abgehärtet und widerstandsfähig gemacht werden, so kann man durch Gehen im Wasser, im feuchten Grase, auf nassen Steinen und endlich auch im Schnee weitere bedeutende Abhärtungen erzielen."
"Wassertreten" sagt man üblicherweise dazu, aber Kneipp'sche Anwendungen sind viel umfangreicher und stimulieren nicht nur die Durchblutung der Haut, den Kreislauf und Stoffwechsel, sondern helfen - regelmäßig angewendet - bei Migräne, Hitzewallungen in den Wechseljahren, Schweißfüße, Krampfadern, Schlafstörungen und Atemwegsbeschwerden.
Kaltes Wasser aus dem Duschschlauch an der Stirn beginnend im Uhrzeigersinn über das gesamte Gesicht fließen lassen.
Dusche (kalt) auf dicken Strahl stellen, locker und ohne Wasserdruck auf dem rechten Arm von unter nach oben führen, unter der Schulter kurz verweilen, dann den Wasserstrahl rechts innen wieder nach unten führen. Die gleiche Prozedur mit dem linken Arm wiederholen. Anschließend die Brust in Form einer Acht abduschen. Wasser nur abstreifen, in einen (evtl. vorgewärmten) Bademantel schlüpfen und kurz hinlegen. Dann stellt sich ein wohliges Entspannungsgefühl ein.
Dusche auf Strahl stellen (kalt), vom rechten Fußrücken bis kurz unter das Knie führen, dort kurz verweilen und den Strahl auf der Innenseite abwärts führen. Links wiederholen und zum Abschluss die Fußsohlen rechts und links abduschen. Wer will, dehnt den Guss bis zur Hüfte aus. Raus und erwärmen, siehe oben.
Beine durch Treten auf der Stelle erwärmen, anschließend 5 Minuten durch feuchtes Gras gehen, am besten morgens. Oder man füllt eine Badewanne so hoch mit kaltem Wasser, dass es bis knapp 10 Zentimeter unter die Kniekehlen reicht und tritt darin eine halbe bis eine Minute lang im Storchengang auf der Stelle, d.h. die Beine immer ganz aus dem Wasser heraus ziehen.
Danach Socken anziehen und sich wieder warmlaufen oder ruhend erwärmen, siehe oben. Wer will kann die Güsse auch auf dreimaligen Wechsel verlängern. Kalt steht immer am Ende!