

Pantheon Paperbacks
943 Seiten
16.95 Euro
Der Streit um die EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei, der Konflikt um die Finanzen - von Einigkeit kann in der Europäischen Union nicht die Rede sein. Stets ist ein zähes Ringen um Entscheidungen nötig, das viel zitierte europäische Haus ist und bleibt eine Baustelle. Denn immer wieder bestimmen nationale Eigeninteressen das europäische Geschehen in „lauter verschiedenen Welten. Und doch sind sie alle Europa“.
Geert Mak spürt diesen Welten nach, sucht Zeichen europäischer Befindlichkeit, findet Trennendes und Gemeinsames - auf einer fesselnd erzählten Zeitreise durch das Europa des 20. Jahrhunderts.
Der Historiker ist nicht etwa nur theoretisch oder im Geiste gereist. Nein: mit Bus und Bahn und Flugzeug, mit Wohnmobil und Auto durchquerte er Europa -von Paris, Berlin und Wien bis Istanbul, Sankt Petersburg und Lissabon, von München nach Dachau und Auschwitz, nach Dünkirchen, London und Moskau , von West nach Ost, von Nord nach Süd. Führen liess er sich von historischen Daten: 1914, 1918, 1939, 1945, 1989: Wendepunkte europäischer Geschichte, die entscheidende gesellschaftliche und politische Umbrüche nach sich zogen.
Geert Mak erzählt in Daten und Fakten, vor allem aber in Geschichten: vom Alltag in Europa und vom Leben der Menschen, denen der Historiker begegnet, denen er Aufmerksamkeit schenkt und deren Erlebnisse und Erfahrungen dieses Buch zu einem Leseerlebnis machen: konkret, sinnlich und fern jeder grauen Historikertheorie.
Große Geschichte an unzähligen Schauplätzen dieses Kontinents und kleine Geschichten, die Erlebnisse am Rande - diese Kombination macht Maks Buch ebenso lehrreich wie spannend. Denn europäisches Bewusstsein ist eben nicht fassbar, definierbar. Es liegt - mehr oder weniger - in uns selbst, denn
„Wir alle tragen, ob wir wollen oder nicht, das erschütternde 20. Jahrhundert in uns. Seine Geschichten werden flüsternd weitergegeben, über Generationen hinweg, die zahllosen Erfahrungen und Träume jener Zeit, die Augenblicke des Mutes und des Verrats, die Erinnerungen voller Angst und Schmerz, die Bilder des Glücks.“
(Christiane Schwalbe)