Buchtipp


Buchtipp Gerster Reifeprüfung

Petra Gerster
"Reifeprüfung -
die Frau von 50 Jahren"


Rowohlt Berlin
288 Seiten
19.90 Euro
ab April 2008
als TB 8,95 Euro


Petra Gerster
"Reifeprüfung - die Frau von 50 Jahren"

Ich habe eine Freundin, wie ich in den 50igern, die umschreibt den täglichen Blick morgens in den Spiegel so: Wir sind immer noch schön, wir brauchen nur mehr Zeit dafür. Wie wahr.

Schönheit ist in diesen Zeiten des Jugendwahns mehr denn je ein kostbares Gut und teuer obendrein – aber warum, zum Teufel, strengen wir uns so an? Weil wir – um mit Petra Gerster zu sprechen - nicht unsichtbar werden, sondern attraktiv bleiben wollen. Für wen? Für die Männer natürlich, die mit Jüngeren liebäugeln, wenn die Partnerin in die Jahre kommt.

Schönheit kostet Geld

Also geben wir Unsummen für Cremes und Fitness und Skalpell aus, um Falten, Schwerkraft und Wechseljahren ein Schnippchen zu schlagen. Mehr oder weniger erfolgreich. Petra Gerster, selbst 52 und als Nachrichtenfrau im ZDF ständig im Blickpunkt, nennt ihr Buch nicht umsonst „Reifeprüfung“. Denn letztlich geht es darum, zum eigenen Alter zu stehen und sich nicht zur Sklavin derer zu machen, die uns ab 50 abschieben wollen in eine Ecke, die keiner Frau gebührt. Und sei sie auch noch so alt.

Falsche Komplimente

Diese erzwungene Eckensteherei kommt schleichend – mit kleinen Anmerkungen: Du sieht ja noch blendend aus für Dein Alter oder mit bösen Vorurteilen: typisch, sie ist in den Wechseljahren. Oder auch mit bissiger Häme: hysterisch, diese Karrierefrauen und zickig obendrein. Das kennen wir – in dieser oder anderer Form haben berufstätige Frauen alle schon so was erlebt, erst recht, wenn sie erfolgreich und stark sind und den Männern sachliche und deutliche Kritik entgegensetzen.

Klischee einer Generation

Petra Gerster erzählt – sachlich und manchmal etwas bieder-pädagogisch – Geschichten aus dem Freundes- und Kollegenkreis und eigene: aus dem gutbürgerlichen Arzthaushalt, in dem es Kinderfrauen und wenig Sorgen gab. Vom Kampf gegen eine lebensbedrohliche Krankheit, von Ehe und vom Kinderkriegen. Politische Geschichten aus der Studienzeit, als Feministinnen Schlagzeilen machten, die Wohngemeinschaft alternative Lebensform war, der Flokati vor jedes Bett gehörte und die Obstkiste zum Klischee einer Generation wurde.

Die Hälfte des Himmels

Die Frau ab 50 in der Werbung, im Beruf allgemein, in den Medien insbesondere, in Haushalt und Familie, in männlicher Betrachtung und Beurteilung – da entsteht anhand vieler typischer Beispiele erst mal ein ziemlich deprimierendes Bild. Aber das hellt sich immer dann schlagartig auf, wenn Frauen sich auf die eigene Stärke besinnen, statt sich gleich einen Strick um den nicht mehr jugendlichen Hals zu legen. Denn Alter bedeutet auch Erfahrung, Reife, Gelassenheit, neue Aufgaben und ungeahnte Energien.

(Christiane Schwalbe)