Buchtipp


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Roddy Doyle
"Paula Spencer"

Roman

Hanser Verlag
Sept. 2008
304 Seiten
21,50 Euro

Roderick Doyle

geb. 8. Mai 1958
Dublin, Irland
irischer Schriftsteller
u. Drehbuchautor

Roddy Doyle
"Paula Spencer"

Sie ist eine Frau Ende 40, Dublinerin aus einem Stadtteil, der in den Reiseführern nicht erwähnt wird. Sie hat vier (fast) erwachsene Kinder: Nicola, ihre Älteste, die nie wirklich Kind sein durfte und bis heute auf ihre Mutter aufpasst. John Paul, benannt nach dem vorigen Papst, der mit 16 das Haus verließ und ihr immer fremd geblieben ist. Die labile Leanne, die ein trauriges kleines Mädchen war, und schließlich Jack, der 16jährige, auf den sie so stolz ist.

Feste Vorsätze

Sie heißt Paula Spencer, sie arbeitet als Putzfrau, sie braucht das Geld und ist froh, dass sie es selbst verdienen kann. Und sie ist seit ein paar Monaten trocken und will es unbedingt bleiben, auch an den schrecklichen, schwierigen Tagen.

Lebendiges Porträt

Ganz fein, ganz leise und präzise kommt dieses Porträt einer Frau daher, die am unteren Rand der Gesellschaft lebt. Der irische Autor Roddy Doyle braucht nur ein paar zarte Pinselstriche, um seine LeserInnen spüren zu lassen: Das hier ist Paula, die gibt nicht auf. Die ist oft und nah dran, aber sie gibt nicht auf.
Doyle hat neben den (übrigens wunderbar verfilmten) Büchern "Die Commitments" und "Fish & Chips”, neben "Henry der Held" und "Jazztime" seine Heldin Paula Spencer schon einmal in einem Roman präsentiert ("Die Frau, die gegen Türen rannte",1996), in dem er ihre katastrophale Ehegeschichte erzählt.

Sparsame Dialoge

Diesmal verwendet er zumeist ganz sparsame kleine Dialoge, um seine Figuren lebendig werden zu lassen. Sie reden miteinander, Paula und ihre Kinder, sie redet auch mit ihren beiden Schwestern Carmel und Denise; aber der Kern dessen, was geredet wird, besteht im Nicht-Gesagten und Doch-Verstandenen. Doyles Figuren reden wie Menschen, die das Miteinander-Reden nicht wirklich gelernt haben, die es aber doch schaffen, in Verbindung zu sein, immer gefährdet und mühsam, aber in Verbindung.

Momente der Freude

Das liest sich schnell so weg und ist doch sehr berührend. Roddy Doyle erweist sich mit Paula Spencer als ein Meister unsentimentaler Leichtigkeit und liebevoller Spröde. Noch ist Paula auf dem Weg, ihre bedrückende Vergangenheit und ihre Alkoholsucht zu besiegen. Sie schafft es, sich kleine Momente der Freude zu gönnen.
Und im selben Maße, wie Paula Tag für Tag ihren Teufeln trotzt und dabei mehr Sicherheit gewinnt, drücken wir LeserInnen ihr von einer Buchseite zur nächsten die Daumen und spüren:
Paula, die Verletzliche, die ist stark. Paula wird es schaffen.

(Gabi von Alemann)