Buchtipp


Buchtipp Marc Walter, Legendäre Reisen

"Legendäre Reisen"

Auf den großen Routen rund um die Welt

Marc Walter


Verlag Frederking & Thaler
320 Seiten
148 Farbfotos
125 s/w-Fotos
50 Euro


"Legendäre Reisen"

Auf den großen Routen rund um die Welt
Marc Walter

Reisen in ferne, unbekannte Länder erfüllte vor hundert Jahren die Sehnsucht, sich gleichsam als Entdecker unbekannter Regionen zu fühlen – bis der Massentourismus diese Illusion zunichte machte. Heute dauert der Übergang vom Winter zum Sommer nur ein paar Stunden, das Flugzeug macht’s möglich. Den klassischen Reiserouten früherer Zeiten spürt das Buch "Legendäre Reisen" nach.

Reisen vor 100 Jahren – das waren lange Fahrten mit dem Zug oder mit der Bahn, säuberlich nach Klassen eingeteilt, die damals noch sehr deutlich die sozialen Schichten voneinander trennten. Reisen war mühsam und unbequem für die weniger Betuchten, für die Reichen war es der pure Luxus - im Salonwagen des Orient-Express oder in den Luxuskabinen an Bord der Transatlantikschiffe. Früher brauchten die Reisenden Tage, wenn nicht Wochen, um quer durch Europa von Paris nach Konstantinopel oder von London nach Karlsbad zu gelangen.
Aber Schnelligkeit war Ziel der großen Bahngesellschaften:
„Rasche Beförderung ohne Wagenwechsel und ohne Reisepass, Abfahrt täglich nach Wien, mittwochs nach Konstantinopel, donnerstags und sonntags nach Bukarest“.

Luxus pur

Paris – Wien – Konstantinopel: 3200 Kilometer in weniger als 70 Stunden – mit dem Orientexpress schon 1889 möglich. Man wohnt in legendären Hotels – im Negresco in Nizza, im Savoy in London oder im Ritz in Paris:
„Sie fahren vor, und das Spiel beginnt. Ein Riese mit Dienstmütze öffnet den Wagenschlag und beschützt sie, falls nötig, unter einem riesigen roten Regenschirm. Und nun treten sie ein ins Allerheiligste“.
Das Allerheiligste, das Foyer, die Visitenkarte eines Hotels – auf vielen Seiten des Buches „Legendäre Reisen“ lernen Sie den Charme der luxuriösen Unterkünfte kennen, blicken in Salons und Suiten, Speisesäle und Gärten. Nicht minder komfortabel ausgestattet waren die Speisewagen und Abteile der großen Eisenbahnen, ganz zu schweigen von der Ausstattung der Kabinen auf den großen Passagierdampfern.

Entdeckung der Neuen Welt

Man besuchte die großen Metropolen in Europa und erholte sich stilvoll in Marienbad oder Karlsbad. Aber nicht nur das: auch die Neue Welt will entdeckt werden: New York natürlich, aber auch Kanada und Kalifornien, Mexiko, Kuba und Chile. Die Neugier der Menschen ist unersättlich. Schließlich bereiste man die Kolonien, fuhr mit dem Schiff nach Indien und Nordafrika, wohnte angemessen im Heliopolis Palace in Kairo oder im Palast-Hotel Mamounia in Marrakesch:
Kalkutta, Udaipur, Bombay – hier lernen die Reisenden ein anderes Leben kennen: Menschengewimmel auf den Straßen, bettelnde Kinder und heilige Kühe - bittere Armut vor der Kulisse prachtvoller Hotels, die die Hitze des Tages mit Marmor und kühlenden Brunnen aussperren.

Nostalgische Reise

Wer im Buch „Legendäre Reisen“ blättert und liest, findet spannende und überraschende Geschichten aus einer Zeit, in der Reisen nicht unbedingt selbstverständlich war. Die Zeugnisse dieser Zeit: Faksimiles von Kofferaufklebern, Speisekarten, Passagierlisten, Ansichtskarten und Fahrplänen, die wie in einem Fotoalbum zwischen die Seiten gesteckt sind. Eine rundum schönes, liebevoll gestaltetes, nostalgisches Reise- und historisches Bilderbuch, das in die Bibliothek all’ derer gehört, die selbst gern unterwegs sind und zwischendurch auch gerne mal eine Reise im Kopf unternehmen.

(Christiane Schwalbe)