Buchtipp


Buchtipp Baser, Als der Döner nach Deutschland kam

Leyla Baser
„Als der Döner nach Deutschland kam“


Rezepte und Anekdoten eines kulinarischen Kulturaustausches

Südwestverlag
144 Seiten
12.95 Euro


„Als der Döner nach Deutschland kam“

Leyla Baser

Rezepte und Anekdoten eines kulinarischen Kulturaustausches

Die in Deutschland aufgewachsene Türkin Leyla Baser erzählt Geschichten und Anekdoten, heiter und amüsant. Es sind eigene Erlebnisse und Erinnerungen, dazu original türkische Familienrezepte, die sozusagen in einem kulinarischen Kulturaustausch das gegenseitige Kennenlernen erleichtern sollen.

Ford-Kolonnen Richtung Heimat

Die deutsche Bratwurst hat er zwar nicht verdrängen können - aber der Döner hat sich einen festen Platz neben ihr erkämpft. Das war nicht ganz einfach, denn als in den 70er Jahren die ersten türkischen Gastarbeiter nach Deutschland kamen, suchten sie in den Supermärkten vergeblich nach typischen Lebensmitteln für ihre Spezialitäten. Die mussten zunächst aus der Heimat mitgebracht werden - zusammen mit Bräuchen und Ritualen, die hierzulande eher Kopfschütteln hervorriefen.
„In den 70er Jahren kam in Deutschland die ganze Verwandtschaft zusammen, wenn eine der vielen Familien den Heimaturlaub in die Türkei antrat ... Sobald der Konvoi - meistens bestand er aus Transportern und Ford-Kolonnen - losfuhr, wurde ein Eimer Wasser hinterher auf die Straße gekippt. Möge die Reise so fließend verlaufen“.

Paste statt Wurst

Die Arme-Leute-Wurst „fakir sucuk“ gehört dazu. Eine Paste aus Knoblauch, Paprika und Gewürzen, Ersatz für die würzige Knoblauchwurst aus Rindfleisch, die sich nicht jeder leisten konnte.
Die typische türkische Küche ist durchaus aufwändig - das Suppenmehl Tarhana ist eine kompliziert herzustellende Mischung aus Joghurt, Hefe und Gewürzpaste, die gesäuert und dann zum Pulver zerrieben werden muß. Und eine echte türkische Hausfrau macht so etwas natürlich selbst.

Der Imam fiel in Ohnmacht

Leyla Basers Koch- und Geschichtenbuch animiert zum Weiterlesen und Nachkochen: Beispielweise der „Imam fiel in Ohnmacht“ – angesichts gefüllter Auberginen. Und ein türkischer Pizzateig muß so weich sein wie ein Ohrläppchen. Nicht zu vergessen: der Döner, dessen Wiege in Kreuzberg stand:
„Mariniertes Fleisch, in Lagen aufgeschichtet, wird auf einem Metallspieß drehend gebraten. ... Die zum Marinieren verwendeten Gewürze sind dabei streng geheim, denn kein Dönerbudenbesitzer würde je sein Rezept verraten.“
Und wer Lust hat, kann für den nächsten Türkeiurlaub gleich noch ein paar Vokabeln und Redewendungen lernen - die Autorin liefert sie im Anhang, mit Ausspracheanleitung! In diesem Sinne:
Viel Spaß und guten Appetit!

(Christiane Schwalbe)