Buchtipp

Buchtipp Christine Dattner, Sophie Boussahba,

Christine Dattner, Sophie Boussahba
"Das Buch vom Grünen Tee"


Collection Heyne
160 Seiten
42 Euro


„Das Buch vom Grünen Tee“

Christine Dattner/Sophie Boussahba

Grüner Tee, anfänglich so etwas wie ein Kultgetränk im Westen, hat sich pur, als weißer Tee oder mit allerlei blumig-fruchtigen Aromen längst in Deutschland und Europa etabliert. Nicht nur als Getränk, sondern auch als eine Art Heilmittel.

Geschmack und Gesundheit

Grüner Tee ist gesund, enthält wichtige Spurenelemente und Mineralien, ihn regelmäßig zu trinken, soll vor Krankheiten schützen. Selbst die Kosmetikindustrie setzt auf die wohltuende Wirkung von grünem Tee. Und in arabischen Ländern werden mit grünem Minztee Rituale der Gastfreundschaft zelebriert.
Seinen Ursprung hat der grüne Tee in Asien – seit mehr als 4500 Jahren trinken ihn die Chinesen, die Japaner finden immerhin schon seit 1200 Jahren Gefallen daran, ohne ihn zu mystifizieren, denn:
„Tee ist nichts weiter als das: Wasser erhitzen, den Tee zubereiten und ihn gemütlich trinken. Nur das muss man wissen“.

Anekdoten und Geschichten

Erst Anfang des 17. Jahrhunderts trat der Tee die Reise nach Westen an – auf den Handelsschiffen der Westindischen Kompanie. Innerhalb weniger Monate hatte er sich in den europäischen Metropolen etabliert – zunächst vor allem in höfischen Kreisen: Tea Time wurde Mode.
Und Ende des 18. Jahrhunderts sogar politischer Zankapfel: die englischen Siedler an der amerikanischen Ostküste lebten vom Teehandel mit ihrem Heimatland – und empörten sich über die Erhöhung von Steuern und Abgaben durch die englische Krone derart, dass sie 1773 in Boston drei Schiffe enterten und 300 Teekisten über Bord warfen.
Das große Buch vom Tee erzählt viele Geschichten – wie der „Earl Grey“ zu seinem Namen kam, wie Sir Thomas Lipton sein Tee-Imperium aufbaute, und welche Gefäße erfunden wurden, um den getrockneten Blättern das volle Aroma zu entlocken.

Heißes Wasser und Rituale

Heißes Wasser und Teeblätter – dabei ist es geblieben. Aber drumherum entstanden traditionelle Zeremonien, immer neue Zutaten und komplette Kollektionen: Tassen und Schalen aus Keramik, Glas und feinstem Porzellan, Wasserkessel und natürlich Teekannen, die längst als edle Designobjekte gehandelt werden.
Wie wird Tee angebaut, gepflückt und verarbeitet, in welchen Ländern finden Teesträucher die besten klimatischen Voraussetzungen, welche Klassifizierungen gibt es für die flachen und gerollten, fein gekräuselten oder zu Teerosen gebundenen Blätter. Die Geheimnisse perfekter Teeherstellung und -zubereitung sind so vielfältig wie die Länder, in denen er getrunken wird. Und ebenso vielfältig sind seine positiven Auswirkungen auf Gesundheit und Hautpflege, denen spezielle Kapitel gewidmet sind. Nicht zu vergessen: exotische Rezepte rund um den grünen Tee – vom Froschschenkel-Risotto mit grünem Tee bis zu Waldbeeren in Grünteegelee.
Ein rundherum informatives, reich und schön illustriertes Buch, das uns hoffen lässt:
„Im Jahr 2002 war der älteste Mensch der Welt eine 114jährige Japanerin, die sich im Wesentlichen von rohem Fisch, ein wenig Sake und grünem Tee ernährte“.
Ob diese Japanerin wohl auch mal von Marzipanhörnchen mit grünem Tee oder von Perlhuhn-Brüstchen in Rauchtee-Fond genascht hat?

(Christiane Schwalbe)