

Torfkähne
auf der Wümme

Vorbeigleitende
Uferidylle
Vor etwa 300 Jahren war die Landschaft zwischen Bremen, Tarmstedt, Worpswede und Ottersberg ein außerordentlich unwirtliches Gelände: sumpfig, moorig und kaum zugänglich. Ein paar Bauern siedelten “wild” am Rand des Moores. Erst ab Mitte des 18. Jahrhunderts wurde das Gebiet systematisch kolonisiert und Torf in großem Ausmaß gestochen.
Torfstechen war Knochenarbeit, die ganze Familie musste helfen. Im Sommer wurde getrocknet und ab August fuhr man nach Bremen. Der braune Torf (die zweite Schicht im Boden, nach dem Weiß- und vor der noch tiefer sitzenden Schwarztorfschicht) bekam den Beinamen “Bäckertorf”: Er wurde vor allem von Bäckern gekauft.
Jürgen Christian Findorff (nach ihm ist ein Stadtteil in Bremen benannt) war damals “Königlich Hannoverscher Moorkommissar” mit der Aufgabe, das Moor planmäßig und unter staatlicher Aufsicht zu entwässern und zu besiedeln. Er überwachte den Bau von Schiffsgräben, auf denen die Moorbauern über Hamme, Wümme und Torfkanal bis zum Findorffhafen nach Bremen schipperten, um dort das wertvolle Heizmaterial zu verkaufen. Es war ihre einzige Einnahmequelle. Zwei Tage und zwei Nächte waren sie unterwegs, erzählt der Käpt'n.
Die Fahrt mit den flachen, aus dunklem Eichenholz originalgetreu nachgebauten Torfkähnen führt über Wümme und Hamme durch eine idyllische Gras- und Wiesenlandschaft. Seltene Wasservögel sind hier zu beobachten. Das Boot fährt ruhig dahin: Früher war es das einzige Verkehrsmittel auf den Gräben und Kanälen, die einerseits der Entwässerung dienten, andererseits Moordörfer und Gehöfte verbanden. Straßen gab es erst viel später. Wo heute Schleusen die Wasserstände ausgleichen, mussten die Torfkahnschiffer ihre Boote früher mit der Hand über'n Deich ziehen.
Das schwere, mit Teer imprägnierte und deshalb braune Segel bläht sich kaum im Wind, die Wolken hängen tief am Himmel, man sitzt sich bei leichter Brise auf flachen Bänken gegenüber. Wo ehemals fünfzig randvoll mit Torf gefüllte Körbe standen, finden heute sechzehn Personen Platz.
Früher wurde gestakt oder getreidelt, erklärt der Käpt'n. Vor allem auf den kleinen Seitenkanälen wurden die Schiffe mit langen Stöcken vorwärts bewegt oder vom Ufer gezogen. Heute wird der Außenborder angeworfen.
Von Mai bis Anfang Oktober fahren die historischen, sogenannten Halb-Hunt-Torfkähne (Schiffstyp) durchs Moor, ein nostalgischer Ausflug, der Einblicke in eine typische alte Kulturlandschaft bietet und ahnen lässt, warum die Worpsweder Maler von dieser ursprünglichen, weiten Landschaft so fasziniert waren.
Die Kähne fahren auf unterschiedlichen Routen. Abfahrtsorte sind u.a. Neu-Helgoland bei Worpswede, der Anleger vor dem “Haus am Walde” am Stadtwald in Bremen und der Torfhafen Findorff, der nach einer Erneuerung 2005 wieder eröffnet wurde.
Zu buchen sind Gruppen- und individuelle Fahrten direkt bei Jan Torf in Osterholz-Scharmbeck, bei den Adolphsdorfer Torfschiffern in Grasberg oder bei regionalen Touristikorganisationen, z.B. in Worpswede oder Lilienthal.