
Ludwig Franzius
Verantwortlich für diesen Umbau war der Bremer Baudirektor Ludwig Franzius. Er hatte ein großes Ziel: Seeschiffe mit 5 Meter Tiefgang sollten unter Ausnutzung der Tidewelle nach Bremen fahren können. Franzius beabsichtigte, "die lebendige Kraft der Flutwelle und damit die ein- und ausströmende Wassermenge oder das hydraulische Vermögen an jedem Punkt und in jedem Augenblick möglichst groß zu halten".
Die Weser wurde begradigt, die Fließgeschwindigkeit des Flusses erhöhte sich erheblich, die Versandung war dadurch deutlich reduziert, weil die Weser den Sand selbst fortspülte. Segelschiffe konnten ab 1888 wieder nach Bremen fahren, in der Stadt brauchte man nicht mehr zu befürchten, ein unbedeutendes Binnenland zu werden.
Heute beurteilen Naturschützer und Ökologen die Weserkorrektion weitaus kritischer. Zum einen fahren kaum noch große Schiffe in die Bremischen Häfen, der Verkehr spielt sich in Bremerhaven ab. Dort wurde das Containerterminal entsprechend erweitert und ausgebaut. Außerdem ist die Weser nun ein kanalisierter Strom geworden, mit all seinen Nachteilen: Man kann kaum noch darin baden, die Ufer mussten befestigt werden, der Tidenhub ist deutlich stärker, Hochwasser häufiger und gefahrvoller.
1895 war Franzius' Werk vollendet. Dafür setzte man ihm ein prunkvolles Denkmal, das nach dem Krieg dem Bau der Wilhelm-Kaisen-Brücke zum Opfer fiel. Am Weserufer unweit der Wilhelm-Kaisen-Brücke steht heute das neue Denkmal von Georg Roemer. Es trägt die Inschrift "Ludwig Franzius ... er öffnete der Weltschiffahrt den Weg zur Stadt Bremen."