Bremerinnen

Betty Gleim
1781 - 1827




Betty Gleim

Frauenrechtlerin, Pädagogin und Kochbuchautorin

Betty Gleim war eine Frauenrechtlerin, die schon früh begriffen hatte, dass sich das Leben einer Frau nicht nur um Haushalt und Versorgung von Ehemann und Kindern drehen durfte. Frauen musste das Recht auf ein eigenständiges Leben zugestanden werden.

Traditionelles Frauenleben

"Tausende sind in dem Unmuth über eine ganz verfehlte Bestimmung in voller Untüchtigkeit und Unthätigkeit trostlos zugrunde gegangen, haben ein Leben hingeschleppt, das kein Leben ist."
Dies schreibt sie 1810, als sie ihren Traum von einer "Erziehungsanstalt für die weibliche Jugend" bereits verwirklicht hatte. Vehement vertrat sie die Meinung, der Schlüssel zu einem selbst bestimmten Leben liege in einer Ausbildung. Eine nahezu revolutionäre Ansicht zu einer Zeit, in der es galt, das Glück als Hausfrau, Mutter und Ehegattin zu finden.

Vorbild Pestalozzi

Betty Gleim wurde am 13. August 1781 in Bremen geboren. Sie wuchs in einem großbürgerlichen Elternhaus auf, in dem ihr schon früh Bildung und Wissen zuteil wurde.
Sie diskutierte mit ihren Eltern über die französische Revolution, philosophische Schriften und die damals hochaktuellen pädagogischen Reformkonzepte. Sie reiste viel, unter anderem besuchte sie den Pädagogen und Sozialreformer Johann Heinrich Pestalozzi in der Schweiz, um ihre Kenntnisse zu erweitern und zu vertiefen.

Erste private Mädchenschule

Betty Gleim beschloss mit 18 Jahren, Lehrerin zu werden. Die dafür notwendigen pädagogischen Kenntnisse musste sie sich autodidaktisch aneignen. Das taten damals viele Frauen, die Kinder in (illegalen) sogenannten Klipp- und Winkelschulen unterrichteten.
1806 eröffnete sie am Spitzenkiel am Ende der Knochenhauerstraße, die erste höhere private Mädchenschule Bremens als offizielles Bildungsinstitut. Sie führte den Deutschunterricht ein und schrieb entsprechende Schulbücher. Ihre 80 Schülerinnen, die nicht nur Lesen, Schreiben und Rechnen lernten, sondern auch Geografie, Mathematik und Physik, sollten befähigt werden, "sich mit Hilfe ihrer eigenen, geschulten Geisteskräfte wirtschaftlich betätigen zu können".

Bremisches Kochbuch

Dass intellektuelle Arbeit mit hauswirtschaftlicher Tätigkeit vereinbar ist, stellte sie mit der Herausgabe eines Bremischen Kochbuchs für junge Frauenzimmer unter Beweis:
Bremisches Koch- und Wirthschaftsbuch
enthaltend eine sehr deutliche Anweisung,
wie man Speisen und Backwerk für alle Stände gut zubereiten könne
und wie man von verschiedenen Früchten die besten Weine, Liqueure
und Essige verfertigen lernt. ...

Fortan kochten die Bremer nach Betty Gleim: Stockfisch, Klaben, Pökelfleisch und Hasenpfeffer und was es sonst noch an traditionellen Gerichten in Bremen gab, denn es war das erste Bremische Kochbuch überhaupt, längst überfällig:
"besonders da in Bremen eine eigene, zum Theil ganz eigentümliche Manier in der Zubereitung der Speisen stattfindet."

Vorbild für spätere Generationen

Das Buch war, wie wir heute sagen würden, ein Bestseller. Es erschien in 13 Auflagen. Das leibliche Wohlbefinden war den Bremerinnen und Bremern wohl doch wichtiger als die geistige Nahrung für junge Frauen. Mit einer lithografischen Anstalt, die jungen Frauen eine Berufsausbildung ermöglichen sollte, scheitere Betty Gleim: die "bremischen Frauen, die hier unabhängig werden sollten, ließen die Unternehmerin im Stich". Später widmete sie sich ganz dem Schreiben, es erschienen zahlreiche Bücher zu pädagogischen Themen. Betty Gleim starb 1827 im Alter von 46 Jahren nach langer Krankheit. Künftigen Frauengenerationen wurde die mutige Frau zum wichtigen Vorbild.