Bremerinnen

Gesche Gottfried
1785 - 1828


Gesche Gottfried,  Gesches Tochter, Bremerin, Freizeit Bremen

Dierck
Rohdenburg
"Gesches Tochter"

Bremen Krimi
Schardt Verlag Oldenburg
12,80 Euro

Gesche Gottfried - Ein langes Warten auf den Tod,  Bremerin, Freizeit Bremen

Peer Meter
"Gesche Gottfried - Ein langes Warten auf den Tod"


Langenbruch,
Lilienthal


Gesche Gottfried

Giftmorde mit Mäusebutter

Wer sich in Bremen auf die Suche nach Gesche Gottfried begibt, kann ins Staatsarchiv gehen und alte Dokumente und Zeitungsartikel studieren. Er kann aber auch in der Pelzerstraße, parallel zur Obernstraße, mit der Suche nach (unsichtbaren) Spuren beginnen. Wo heute das Parkhaus Mitte steht, wohnte Ende des 18. Jahrhunderts Gesche Margarethe Timm. Später hat sie in der Obernstraße gewohnt. In der "Rathsapotheke" soll sie ihr Gift gekauft haben, und im heutigen Wilhelm Wagenfeld Haus hat sie schließlich auf ihren Tod gewartet.

Spuckstein mit Kreuz

Immerhin drei Jahre lang musste sie in einer Zelle der neu errichteten Ostertorswache ausharren, ehe sie zum Schafott an der Nordseite des St. Petri Doms gebracht und dort enthauptet wurde. An ihre Hinrichtung erinnert der Spuckstein in etwa 20 Meter Entfernung vom Brautportal des Doms. Man geht leider achtlos drüber hinweg. Dabei bringt es angeblich Unglück, auf den unscheinbaren Pflasterstein mit eingeritztem Kreuz zu treten. Drauf zu spucken und damit seine Verachtung für die Giftmörderin zu dokumentieren, das ist erlaubt.

Gesellschaftlicher Aufstieg

Am 6. März 1785 wurde Gesche Gottfried als Tochter eines Schneiders und einer Wollnäherin geboren. Sie lebte in bescheidenen Verhältnissen und erst ihre Heirat mit dem Sattlermeister Johann Gerhard Miltenberg verschaffte ihr gesellschaftliches Ansehen. Den leichtsinnigen Lebemann duldete sie nur siebeneinhalb Jahre an ihrer Seite, hatte schon den nächsten im Blick: den Weinhändler Michael Christoph Gottfried.

Tod nach vergnügter Ehe

Am 1. Oktober 1813 geht Miltenberg elend zugrunde. Seine Frau hatte ihm Mäusebutter unter sein Essen gemischt, ein mit Arsen versetztes Schmalz, das dazu diente, Mäusen und anderem Ungeziefer den Garaus zu machen. Aber es wirkte auch beim Menschen, und wie!
"Am ersten dieses Monats endigte mein geliebter, mir unvergesslicher Mann nach kaum vollbrachtem 33. Lebensjahre und im achten Jahr unserer vergnügt geführten Ehe, die mit vier Kindern gesegnet wurde, wovon ihm zwei voran gingen, seine irdische Laufbahn an einem hitzigen Gallenfieber ..." So stand es 1815 in der Zeitungsanzeige, in der sie heuchlerisch auch ihren grenzenlosen Schmerz über den Tod der anderen Angehörigen zum Ausdruck bringt.

Schellfisch à la Gesche

Im Jahr 1815 starben nach dem Ehemann in relativ kurzer Folge auf die gleiche rätselhafte Weise Gesches Mutter, ihre dreijährige Tochter Johanna, ihre sechsjährige Tochter Adelheid, ihr Vater, der fünfjährige Sohn Heinrich und der Zwillingsbruder Johann. Der hatte berechtigterweise sein elterliches Erbteil verlangt. Also kochte ihm die Giftmörderin ein Schellfischgericht der besonderen Art und vorbei war es mit Erbe und Leben.

Motive bleiben ungeklärt

Was Gesche Gottfried antrieb, ihre Eltern und Kinder zu ermorden, ist nie geklärt worden. War es Hass, Geldgier, Eifersucht oder die Sucht nach Geltung? Angeblich sprach eine innere Stimme zu ihr, es war eine Art "Trieb", wie sie sagte und außerdem "hatte ich gewissermaßen Wohlgefallen daran". Niemand in ihrer Umgebung schöpfte Verdacht, im Gegenteil. Die ehrwürdige und wohltätige Bürgerin Gesche Gottfried wurde wegen ihres tragischen Schicksals bedauert. Man lobte sie gar als "Engel von Bremen", weil sie mit großer Duldsamkeit den Tod ihrer Lieben ertrug und ihnen aufopferungsvoll im Todeskampf zur Seite stand.

Der Stab ist gebrochen

Sie mordete insgesamt 15 mal erfolgreich, darunter ihre drei Ehemänner und versuchte es weitere 19 mal. Einer ihrer Todeskandidaten schöpfte angesichts merkwürdiger Körnchen in seinen Speisen Verdacht und ließ sie untersuchen. Das war das Ende von Gesches grausamen Taten. Am 6. März 1828, an ihrem Geburtstag, wurde sie verhaftet, 43 Jahre alt. Drei Jahre später hieß es "Der Stab ist gebrochen, das Urtheil ist gesprochen, Mensch, Du musst sterben."

Letzte öffentliche Hinrichtung

Der Scharfrichter schlug der Massenmörderin am 21. April 1831 mit dem Schwert den Kopf ab. Der wurde vor den 35 000 Schaulustigen demonstrativ hoch gehalten, später in Spiritus eingelegt und öffentlich zur Schau gestellt. Es war die letzte öffentliche Hinrichtung in Bremen:
"Auf das hiesige Publicum hatte die Enthauptung einen so unangenehmen Eindruck gemacht, daß die meisten Leute, wie man nachher allenthalben hörte, zu Mittag nichts hatten essen können. Wir selbst machten Nachmittags mit Bekannten eine Spazierfahrt in's Freie, um den üblen Eindruck zu vergessen." (Weserkurier vom 20. April 1856)

Protokolle des Kriminalgerichts

Dass man relativ viel über ihren Prozess und die Verhöre weiß, ist einem Zufall zu verdanken. Die handgeschriebenen "Protokolle des Criminalgerichts in der Untersuchungssache wider die Giftmischerin Gesche Margarethe Gottfried, geb. Timm" steckten zwischen anderen historischen Dokumenten, die im 2. Weltkrieg ausgelagert und von russischen Soldaten zunächst nach Moskau gebracht wurden. Später gelangten sie nach Ostberlin und kamen 1987 aus der damaligen DDR zurück nach Bremen. Heute werden sie im Staatsarchiv verwahrt.
Einem weiteren Zufall ist zu verdanken, dass ein Abguss der Totenmaske von Gesche Gottfried, nach ihrer Hinrichtung angefertigt vom Gefängnisarzt, heute im Focke Museum liegt. Das Original befindet sich im britischen Winchester.