Bremensie

"Ischa Freimaak"


Ischa Freimaak in Bremen, Freimarkt Bremen
Eröffnung des
973. Freimarkts"
17. Oktober 2008


Bremer Bürgerweide:
17. 10. - 2.11. 2008
So -Do 12 bis 23 Uhr
Fr u. Sa 12 bis 24 Uhr

Marktplatz und Innenstadt:
täglich 10 bis 21 Uhr

“Freimarkt bei Nacht”
Party in Halle 7
Mo - Sa ab 20 Uhr


"Ischa Freimaak!"

So fängt es an, alle Jahre wieder: Vier Glück bringende Schornsteinfeger in Arbeitskluft klettern am Roland empor, schmücken ihn mit bunten Luftballons und hängen dem geduldigen Kerl ein Lebkuchenherz in Größe XXL um den Hals, gepolstert und wetterfest. Darauf ist weithin sichtbar zu lesen: “Ischa Freimaak!”. Zum 973. Mal. 1035 begann es, als “freier Markt” für Händler in der Innenstadt.

Fünfte Jahreszeit

Die sogenannte “fünfte Jahreszeit” hat begonnen. Wobei das keine Bremer Erfindung ist, meint das doch deutschlandweit Ereignisse, die den Lebensalltag ebenso nachhaltig zu beeinflussen vermögen wie der Wechsel der Jahreszeiten. In der Regel sollen das große Volksfeste tun.

Ischa Freimaak!

Der Bürgerschaftspräsident wünscht den Schaustellern ein gutes Geschäft und den BremerInnen viel Spaß – und los geht’s: Auf dem kleinen Freimarkt locken Wein, Bier, Glühwein und – ganz nostalgisch – Riesenrad und Karussell, kunterbunt und verziert mit dekorativen Schnitzereien und Figuren wie in guten alten Zeiten.
Daneben der historische Markt: Mittelalterlicher Budenzauber zu Füßen der Stadtmusikanten, anno 1035.

Tolle Tage

Fassanstich ist um 18 Uhr auf dem großen Freimarkt auf der Bürgerweide. Der Innensenator haut rein und lässt das Bier sprudeln. Siebzehn tolle Tage lang wird es in Strömen fließen, fast so reichlich wie der Strom, ohne den die TÜV-geprüfte High-Tech-Welt sich nicht drehen würde, nicht funkeln und blinken und wagemutige BremerInnen durch die Lüfte schleudern und – ja - “zentrifugieren” würde.

Raritäten und Superlative

Die Namen der Fahrgeschäfte lassen Abenteuer ahnen: Krake und Panic, Countdown und Psychedelic, Stardust und Eurokutsche, Schnauferl und Höllenblitz, Krinoline, Frisbee und Wilde Maus. Mittendrin eine Rarität von 1908, das Toboggan, eine Riesenrutsche, und ein Superlativ: Das Deamonium ist die größte transportable Geisterbahn der Welt. Daneben macht sich süddeutsche Gemütlichkeit breit: bei der Schwarzwald Christl, in Almhütte, Bayernfesthalle und Kuhstall. Zum Kennenlernen geht man ins Café Keese.

Kamelle, Kamelle ...

Am zweiten Freimarktssamstag ist in der Bremer Innenstadt der Teufel los: Der Freimarktsumzug will den Kölner Rosenmontagszug zwar nicht in den Schatten stellen, wohl aber für ebensoviel Aufsehen sorgen. Zu Samba und Blasmusik wird in fantasievollen Kostümen auf den bunt geschmückten Wagen und entlang der Straßen gesungen und getanzt. “Kamelle” fliegen kiloweise ins Publikum.

Lichterglanz mit Ökostrom

Ökostrom speist in diesem Jahr die Generatoren, sorgt für Glanz und Licht und Trommelwirbel. Erneuerbare Energie auf dem Rummelplatz der Superlative, dessen Verbrauch an Elektrizität dem einer Kleinstadt entspricht. Verschwendung pur in Sachen Volksbelustigung.
Zum Sparen ist ein Jahrmarkt gänzlich ungeeignet. Sonst dürften auch keine silbernen und goldenen Sternenregen vom Himmel fallen, beim Feuerwerk zum Auftakt und zum Schluss.

Der Sarg zum Schluss

Ach, der Schluss! Der kommt, unweigerlich und ist doch wieder ein Grund zum Feiern. Wenn Bremer feiern, dann ausgiebig und bis zur letzten Minute. Also schultern vier Sargträger in Frack und Zylinder den mit Plüschtieren, Luftballons und Lebkuchenherzen geschmückten schwarzen Totenschrein und schleppen ihn ins Bierzelt Riverboat. Der Freimarkt wird beerdigt.

Historischer Ursprung

Wie so oft in Bremen hat auch dieses Ritual einen historischen Ursprung: Der einst auf der Domsheide und in der Neustadt gefeierte Freimarkt wurde abgeschoben auf die Bürgerweide, beschlossen von der Bürgerschaft:
“Am Montag, den 3. November 1913 wird der Bremer Freimarkt in der Altstadt begraben. Der Verstorbene, der ein Alter von 1000 Jahren erreichte, stand in hohem Ansehen bei Jung und Alt”.
Die Gegner des Ortswechsels verkauften mehr als 30 000 Trauerorden, der Sarg wurde in der Weser versenkt. Der Freimarkt ist tot? Es lebe der Freimarkt. Alle Jahre wieder im Oktober. Garantiert.