Bremensie

Die Eiswette


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Eiswette 2009
Schneider mit Gurke
und Bügeleisen
Eiswette Bremen, Tradition, Bremensie
Eiswette 2009
Punkendeich


Die Eiswette - geiht de Werser oder steiht sie

Bremische Tradition am Weserufer seit 1829

Dreikönigstag, 6. Januar 2010, Punkendeich in Bremen:
rund 3000 Neugierige warten an der Weser zwischen Sielwall und Altenwall auf das traditionelle Ereignis, dessen Ausgang auch diesmal wieder klar ist: Die 180. Eiswette wird ergeben: "De Werser geiht"

2010 endlich mal wieder zugefroren?

Auch wenn es diesmal richtig verschneit und ringsum auf den Wegen auch vereist ist. Aber eine zugefrorene Weser? Die gab es zum letzten Mal im eisigen Winter 1946/47. Das Schneiderlein wird mit derben Sprüchen wie immer aktuell bleiben: Letztes Jahr war es der amerikanische Präsident und sein „Yes we can“.

Leichtfüßig und mit spitzer Zunge

Das ist schließlich seine Aufgabe: nicht nur mit höchstens 99 Pfund leicht-füßig über eine zugefrorene Weser zu schreiten (oder besser nicht), sondern mit spitzer Zunge und im Dialog mit den hohen Eiswett-Herren politische Ereignisse des Vorjahres aufs Korn zu nehmen. 2009 wird außerdem ein neuer Seenotkreuzer getauft – auf den Namen "Eiswette".

Tradition mit wirtschaftlichem Hintergrund

Früher war es durchaus von Bedeutung, ob die Weser zugefroren war oder nicht. Denn Schiffahrt und Kaufleute waren abhängig vom Fluß. Schließlich waren Schiffe damals das nahezu einzige Gütertransportmittel. Mit Pferdewagen ließ sich nicht viel von der Stelle bringen. Doch seit mehr als 100 Jahren friert die Weser nicht mehr zu. Seitdem sie begradigt ist, kann Salzwasser flußaufwärts fließen, das senkt bekanntlich den Gefrierpunkt.

Mit 99 Pfund über die Weser

Die Frage, ob die Weser "geiht oder steiht", gestellt seit 1829, erübrigt sich zwar, aber Tradition ist Tradition und alle warten auf das alljährliche Spektakel.
Die Wette lautet: Kann ein 99 Pfund schwerer Schneider mit einem heißen Bügeleisen trockenen Fußes die Weser überqueren? Kann er natürlich - aber nur auf einem Boot der Seenotretter, wie die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger inzwischen heißt. Deren Boote kreuzen deshalb auch diesmal wieder am 6.Januar wartend auf der Weser.

Würdevolle Eisprobe

Die ehrwürdige Herren des Eiswett-Präsidiums, schwarz gekleidet und mit Zylinder, marschieren Punkt 12 Uhr hinunter zum Weserufer. Der Präsident leitet das Ritual der Eisprobe ein. Es folgen Medicus und Notarius publicus, beide stilvoll mit üppiger Perücke. Anschließend schreiten die Heiligen Drei Könige, prachtvoll kostümiert und huldvoll grüßend, zum Weserufer hinab, gefolgt von den Eiswett-Novizen.
Nach vielfältigem Wortgeplänkel werden die hohen Herren traditionell ungeduldig, fordern Ordnung und Respekt und nötigen den Schneider, nun doch endlich die altertümliche Dezimalwaage zu besteigen. Ist der Mann zu schwer, hat er wahrscheinlich zuviel Kohl und Pinkel gegessen?

Kohl und Pinkel satt

Den gibt’s reichlich beim traditionellen Essen am 3. Sonnabend im Januar, wenn die Wette eingelöst, also verzehrt wird. Seit 1996 findet das fulminante Stiftungsfest statt, bei dem üppig gespeist und getrunken wird. Bremer Braunkohl "mit all' und jedem, was nach gutem Brauch und altem Herkommen erforderlich und nützlich ist", Braten, Pastete und Fisch, Torte, Eis und Rote Grütze. Reichlich gute Weine und frisch gezapftes Bier natürlich und "Eiswette". Das ist ein spezieller Bremer Korn, mit dem schon der Schneider seinen Zuschauern am Punkendeich zugeprostet hat.

Männer unter sich

Getafelt wird nur unter Männern, versteht sich. Das haben viele Bremische Traditionen so an sich. 700 Herren in Frack (Präsidium) und Smoking sitzen an runden, weiß gedeckten Tischen, den "Eisschollen", um den Wetteinsatz zu verspeisen.
Für launige Reden sind die Ehrengäste zuständig. Die Liste prominenter Persönlichkeiten ist lang: Bundespräsidenten, Bundeskanzler und Minister, dazu Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Kultur. Wortreich aufgefordert vom Schatzmeister müssen alle, alle spenden - die Seenotretter brauchen Geld und das bekommen sie auch. So dient die alte Tradition - nach guten acht Stunden der Völlerei - doch noch einem guten Zweck.