Sehenswürdigkeiten



Ostertorwache Bremen Wilhelm-Wagenfeld-Hauserin, Freizeit Bremen

Ostertorwache
Wilhelm- Wagenfeld- Haus


Am Wall
28195 Bremen

"Detentionshaus"
zurückzuführen auf engl. bzw. frz.
"house of detention"
oder
"détention préventive".
Beides bedeutet Haft oder Gewahrsam.

Wilhelm-Wagenfeld-Haus
ehemals Gefangenenhaus Ostertorwache

Anfang des 19. Jahrhunderts wurde das klassizistische Detentionshaus erbaut. Die berühmteste und zudem erste Insassin war kurz nach der Fertigstellung im April 1828 die Giftmischerin Gesche Gottfried.

Mörderin gelobt Besserung

An Ihren Schneider schrieb Gesche Gottfried: "Ob sie nicht für mich um eine milde Strafe bitten können, damit ich doch nicht ganz als eine Sünderin aus dieser Welt gehe. Ich möchte so gern der Obrigkeit durch meinen Wandel zeigen, dass ich mich gebessert hätte".

Berühmte Gefangene

Sie wartete in einer Zelle im Obergeschoss 3 Jahre lang auf ihr Urteil, von 1828 bis 1831. Der Freiheitsentzug sollte im neuen Gefangenenhaus humaner praktiziert werden, aber sauberer wurde er offensichtlich nicht. Das bezeugen Beschreibungen der Frauenrechtlerin Marie Mindermann, die 1851 wegen Beleidigung des Senats 10 Tage Haft absitzen musste.

Von Hygiene keine Spur

""... Zwei Bettstellen, schmutzig und unsauber, mit übelriechendem Stroh, als wäre die Zelle seit langer Zeit nicht gelüftet gewesen ... in der Ecke stand eine Commodité mit vollem, dunstendem Inhalt!" Auch die Prostituierten Gerhardine K. beschwert sich 1921 über verdrecktes Bettzeug: Wenn auch eine Strafe zu verbüßen ist, so ist man doch nicht verpflichtet seinen Körper einer solchen Unreinlichkeit zu unterziehen ..."

Erhalten geblieben Zellen

Zu besichtigen sind diese und andere Dokumente im original erhalten gebliebenen Zellentrakt im rechten Seitenflügel des Hauses, das 170 Jahre lang ein Gefängnis war. In den 2.60 Meter breiten, 2.75 Meter langen und 2.22 Meter hohen Zellen standen eine Pritsche mit Strohsack, ein Tisch, ein Stuhl und ein Kofferstuhl (Toiletteneimer). Seit 1998 ist dieser Teil des Hauses eine Dokumentationsstätte. Träger ist das Staatsarchiv Bremen, in Zusammenarbeit mit den Vereinen "Gedenkstätte Ostertorwache e.V. und "Erinnern für die Zukunft e.V."

Gestapo-Gefängnis seit 1933

In den Faltblättern am Eingang der Zellen sind Einzelheiten nachzulesen: " Im Gefangenenhaus waren Männer und Frauen inhaftiert, Kurzzeitgefangene, Obdachlose, Prostituierte, politische Funktionäre der Weimarer Parteien und Abschiebehäftlinge ... Während der Zeit des Dritten Reiches diente es der Gestapo zur Unterbringungen Hunderter politisch Verfolgter: Sozialdemokraten, Kommunisten, Bibelforscher, Juden, Holländer, Polen, Franzosen und Russen ..."

Inschriften an den Wänden

Sie warteten in überbelegten Zellen und fensterlosen Kellerräumen auf ihre Verhöre oder auf den Abstransport ins Lager. Als das Gefängnis Ende der 70er Jahre baulich saniert wurde, fand man an den Wänden und Decken Reste von Notizen und Kommentaren, zum Teil kaum noch leserlich. Sie wurden fotografiert und auf diese Weise erhalten.

Schlimme Zustände nach 1945

In den ersten Nachkriegsjahren waren Menschen, die auf dem Schwarzmarkt erwischt wurden, verwahrloste Jugendliche oder Prostituierte eingesperrt, unter schlimmsten Bedingungen. Die damalige Senatorin Käthe Popall beklagte diese Zustände in der Bürgerschaft:
"Stellen Sie sich einmal einen kleinen Kellerraum vor, der die Luftzufuhr nur durch eine Luftklappe erhält, die höchstens 50 mal 50 cm groß ist, und der nun als Unterbringungsmöglichkeit für 20 und mehr junge Mädchen und Frauen zu dienen hat. ... Ein großer Teil von ihnen ist geschlechtskrank, ein weiterer Teil durch Ungeziefer verseucht."

Abschiebeknast

In den 1980er und 1990er Jahren war das Ostertorgefängnis "Abschiebeknast", in dem nicht anerkannte Asylbewerber zum Teil wóchen- und monatelang auf ihre Abschiebung warten mussten. Die menschenunwürdigen Bedingungen waren häufig Anlass politischer Demonstrationen vor der Ostertorwache. Im Januar 1996 zündete ein Häftling aus Verzweiflung seine Zelle an. Das Obergeschoss des Hauses brannte fast völlig aus, die Ostertorwache war unbrauchbar geworden.

Ort für Design

Ein Beschluss der Bürgerschaft vom Anfang der 90er Jahre wurde umgesetzt und das Haus zum Ort für Design und Kultur. Die Wilhelm-Wagenfeld-Stiftung übernahm im März 1999 das Haus. Der Namensgeber Wilhelm Wagenfeld (*1900 in Bremen, 1990 gestorben in Stuttgart) repräsentiert die Ziele des Hauses: moderne, am Interesse des Verbrauchers orientierte Produktentwicklung- und Produktgestaltung.