
Die sieben Faulen
Sieben-Faulen-Brunnen
Auch die Sage von Friedrich Wagenfeld spielt in einer schmutzigen, schlammigen Gegend an der Weser. Dort lebte hinter der Stadtmauer im armen Bremer Westen ein Ehepaar mit sieben kräftigen Söhnen, die lieber auf der faulen Haut lagen, als bei der Arbeit zu helfen. Die Eltern mühten sich ab mit dem Anbau von Kohl und Gras, aber das nasse Land gab nichts her. Irgendwann wurde den Brüdern das faule Dasein zu langweilig und sie zogen in die Welt, weil niemand sie beschäftigen wollte.
Als sie zurück kamen, waren sie um einiges an Wissen reicher: sie bauten Kanäle, entwässerten das Land, das plötzlich großen Ertrag brachte. Sie bauten Hecken, um Gärten und Felder vor Wind zu schützen, errichteten Steinhäuser für ihre Familien und bohrten Brunnen. Kurzum: Sie modernisierten Land und Arbeit.
"Auf diese Weise entstand eine lange und breite Straße, welche sie zu beiden Seiten mit Lindenbäumen bepflanzten und in der Mitte mit einem tüchtigen Steinpflaster versahen; und, wenn etwa ein Vorübergehender fragte, wie die schönbelaubte Straße heiße, und wer darin wohne, was konnten die Nachbarn, wollten sie der Wahrheit getreu bleiben, anders antworten, als, daß die Bewohner der Straße die sieben Faulen seien."
Für die Nachbarn aber blieben sie die sieben Faulen, die für schwere Tagelöhnerarbeit immer zu bequem waren.
"Der alte Vater," sagten die Nachbarn, "war ein fleißiger Mann und scheute keine Mühe all sein Leben lang. Der stieg getrost ins Wasser bis ans Knie und schnitt sich kümmerlich sein Gras, wenn ihm etwas gewachsen war. Die Söhne haben sich das Ding bequemer gemacht. Sie haben keine Lust zur Arbeit."
Und wenn sie nicht gestorben sind ....
... dann kann man sie mit zurückgelegtem Kopf sogar fotografieren: am Eingang zur Böttcherstraße, neben dem Fassadenrelief "Lichtbringer", hoch oben auf dem Dach des ehemaligen HAG-Hauses, das heute "Haus der sieben Faulen" heißt.
Und im Hof des Paula-Modersohn-Becker-Museums steht der Sieben-Faulen-Brunnen von Bernd Hoetger.