
Auf dem Findorffmarkt
zwischen
Neukirchstraße
und
Eickedorfer Straße
Di, Do, Sa
8 bis 13.30 Uhr
Der Einkaufszettel nützt ihnen nur insofern etwas, als sie damit nicht vergessen, was sie wirklich brauchen. Ansonsten lässt man sich am besten treiben: vom Ammerländer Schinken zum Rohmilchkäse, vom Geflügelstand zu den Oliven in Öl und Kräutern, vom Fisch zur "Senfonie". Neben grünen Bohnen und frischem Scherkohl locken hier und da selbst gemachtes Apfelgelee und Ingwerkonfitüre, Honig aus eigener Imkerei, Blut- und Leberwurst aus eigener Schlachtung, Bauernbrot und frische Hefeteilchen.
Äpfel sind im Sonderangebot, "kosten Sie doch mal, heute nur 99 Cent", saftige Orangen liegen halbiert, um ihre Qualität auch am Saisonende unter Beweis zu stellen, gleich daneben Exoten aus südlichen Ländern. "Da gibt’s kein Schmuddelwetter, da scheint immer die Sonne. Aber kaufen könn'se die Exoten auch bei uns": Granatäpfel und Sternfrüchte, Papaya und Mango, Litschi und Physalis, Karambole und Kumquat.
Wie man die tropischen Früchte isst? Kein Problem. Das weiß, wer sie verkauft, und liefert einschlägige Aufklärung: "Einfach in der Mitte durchschneiden, Kerne raus und löffeln. So schmeckt's am besten." Auch über Süße, Säure und Bitterstoffe wird aufgeklärt, "Die Sternfrucht is beten herb." Warum sollte man nicht mal Baumtomaten probieren oder eine Cherimoya, die unter schuppiger Haut ein cremefarbiges leckeres Fruchtfleisch verbirgt, das nach einer Mischung aus Apfel und Birne schmeckt.
In erster Linie ist der Findorffmarkt natürlich ein regionaler Markt. Hier bieten Bauern aus der Umgebung ihre eigenen Produkte an: Kartoffeln mit klingenden Namen, von Leyla über Berber, Rosara bis Cilena, fest oder mehlig kochend: "Die Rosara ist eher festkochend und schmeckt richtig nach Kartoffel." Daneben Lauch und kräftig grüner Wirsingkohl, knackige Bohnen, Rosenkohl und frische Eier. Natürlich Sülze, Mettwurst, Katenschinken, Knipp und Bremer Gekochte, frische Kräuter im Töpfchen, selbst gemachte Nudeln und Gemüse in zwei Kategorien: kontrolliert biologisch oder ganz normal.
Der Findorffmarkt ist nicht nur Grünmarkt. Ziemlich genau in der Mitte findet der neugierige Besucher Staubwedel und Schrubber, Spülbürsten und Kurzwaren, vom Nähgarn bis zum Schnürsenkel, gleich daneben das Paradies für Füße mit Strümpfen und dicken Socken und einen Stand weiterer Haushaltsartikel und Geschenke aus Olivenholz. Und weil jeder irgendwann beim Rundgang auf diesem größten Markt Bremens Hunger bekommt, gibt’s knusprige Kartoffelpuffer mit Apfelmus, Erbsensuppe, Pommes, heißen Kaffee, Bratwurst oder frischen Butterkuchen. Im Frühling auch mal Erdbeerbowle.
Ganz hinten Blumen, Blumen, Blumen, Rosen und Tulpen, Primeln im Topf, Feuerlilien und Narzissen, geschnitten, zum Strauß gebunden, im Zehner- oder Zwanzigerbund. Man möchte Arme voll mitnehmen. Wie gesagt: Der Einkaufszettel hilft nur dabei, nicht zu vergessen, was man wirklich braucht. Seit 60 Jahren gibt es den Findorffer Wochenmarkt schon, viele Kunden und Händler kennen sich mindestens seit 40 Jahren: "Solange komm' ich schon her. Da verändert sich nix, nur die Preise. Das ist im Supermarkt nicht anders, aber hier gibt’s was zum Kosten und ein Schwätzchen gratis dazu."