German Dream
Buchtipp


Buchtipp German Dream

Wolfgang Blau
Alysa Selene
"German Dream"
Träumen für Deutschland
dtv premium
320 Seiten
14.50 Euro


"German Dream"
Wolfgang Blau und Alysa Selene

Auf Küchentisch - Tournee durch Deutschland
präsentieren sie ihr Projekt „German Dream“ in Bremen


Träumen für Deutschland

50 000 deutsche Staatsbürger leben im Raum San Francisco – sicher nicht nur wegen des schönen Wetters, sondern auch, weil es hier leichter ist, persönliche Träume zu realisieren. Das erzählt Wolfgang Blau, ein Journalist, der selbst nach Kalifornien ausgewandert ist, um ein anderes als ein typisch deutsches Leben zu führen.
Zusammen mit Alysa Selene hat er ein Buch geschrieben: "German Dream - Träumen für Deutschland". Prominente Persönlichkeiten aus aller Welt haben in Gesprächen und Interviews ihre ganz persönlichen Träume entworfen - für die Rolle Deutschlands in Europa und der Welt. Und weil sie das Land von außen betrachten, können sie auch „unbelastet von deutscher Geschichte träumen“, wie Roger Willemsen es im Vorwort formuliert.

Küchentisch-Tournee

Mit ihrem Buch, das „weder objektiv noch wissenschaftlich" ist und in dem 30 Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Kultur gleichsam stellvertretend für Deutschland träumen, gehen die beiden Autoren auf Tournee durch Deutschland. Von Küchentisch zu Küchentisch, denn ihr Projekt entstand am Küchentisch. Dort stellten sie sich auch die Frage, warum - wann immer man Deutsche nach ihren Werten fragt – zunächst Antworten kommen, wofür Deutschland nicht steht. Hierzulande versagt man sich das Träumen.

Verpflichtende Vergangenheit

Schmerzhafte Selbstbegegnungen – so Roger Willemsen im Vorwort – machen den Deutschen möglicherweise Angst, zu träumen. Aber – das ist der Kern vieler Beiträge in diesem Buch - „eure Vergangenheit verpflichtet Euch, in Menschheitsfragen Eure Stimme zu erheben ... eure Vergangenheitsbewältigung sollte auch Gegenwartsbewältigung sein ...“

Malakovtorte in Bremen

Bei Pichelsteiner Topf und Malakovtorte saßen die beiden Autoren an Bremer Küchentischen. Der Verein „Kulturhof Peterswerder“ hatte ins Atelier am Schwarzen Meer eingeladen. Auch hier wurde deutlich, wie sehr die Vergangenheit belastet und dass beispielsweise die Fußballweltmeisterschaft endlich mal ein Ereignis war, stolz auf das eigene Land zu sein. Ohne nationalistische Hintergedanken, sondern aus reiner Freude an der WM, die – so die Ergänzung im Buch – Katalysator für ein neues Selbstbild in Deutschland wurde.

Leben im Überfluss

Vieles ist machbar, gerade weil Deutsche die Fähigkeit besitzen, gradlinig und zielstrebig Ideen umzusetzen. Denn in diesem Land sind genügend materielle und geistige Ressourcen vorhanden. Das vergessen wir zu oft. Die nigerianische Menschenrechtsaktivistin Hafsat Abiola könnte sich deshalb für Deutschland eine Führungsrolle im fairen Handel mit den armen Ländern dieser Welt vorstellen und bringt Deutschlands Problem auf den Punkt:
„Wenn ein Volk im Überfluss lebt und schon 80 Prozent der Dinge hat, die es zum Glücklichsein braucht, dann verhalten sich die Menschen dieses Volkes sehr seltsam: das Einzige, woran sie denken können, sind die 20 Prozent, die ihnen noch zu ihrem Glück fehlen ...“

Wiedervereinigung als Chance

Der Krimiautor Henning Mankell fände es angesichts der Wiedervereinigung wohltuend, „wenn die Deutschen aufhören würden, diese Situation nur als 'ein Problem' zu bezeichnen, und sie stattdessen als eine 'fantastische Gelegenheit' beschreiben würden.“
Der brasilianische Bestsellerautor Paulo Coelho, einer der erfolgreichsten Schriftsteller der Welt, sieht die politische Stärke Deutschlands im Bewusstsein seiner Vergangenheit, die die politischen Handlungen der Gegenwart bestimmen – zum Beispiel das „Nein“ zum Irak-Krieg: „Deutschland hat damit ein Exempel statuiert, denn es hat sich getraut, der Allmacht von Präsident Bush entgegenzutreten.“

„Kingdom of No“

In ihren Gesprächen haben Wolfgang Blau und Alysa Selene immer wieder erfahren, wie wichtig es ist, nach einem Deutschlandbild zu suchen, dass sich „nicht nur über Holocaust und materiellen Reichtum definiert und seine Identifikation nur aus der Negation“ nimmt. German Dream im Sinne der Autoren heißt auch: Lebensfreude, Spaß und die Hoffnung, im „Kingdom of no“ dem „ja“ wieder einen gebührenden Platz einzuräumen.
Träumen in Deutschland ist schwer. Unkonventionelle Ideen werden belächelt, ihre Erfinder mitleidig bedauert. „Das geht doch nicht, das kostet zu viel Geld, das interessiert niemanden ...“ Gängige Urteile in einem Land, das für Pünktlichkeit, Gewissenhaftigkeit und Ordnungsliebe bekannt ist und in dem wortreich argumentiert wird, warum etwas nicht geht.

In Zukunft „Ja“

„Wenn Ihnen also demnächst jemand eine ungewöhnliche Idee schildert, versuchen Sie, nicht zuerst nach Gründen zu schauen, weshalb diese Idee scheitern könnte. ... Finden Sie möglichst viele Gründe, weshalb diese ungewöhnliche Idee gelingen könnte“.
Das ist der Rat des Autorenpaares, das auch zu Ihnen kommt: Ins Café um die Ecke, oder in die Wohnküche oder an sonst einen Ort, wo 20 Leute zusammensitzen können. Denn die müssen sie schon zusammentrommeln. Dann erzählen Wolfgang Blau und Alysa Selene auch Ihnen von der persönlichen Suche nach Hoffnung, vom Traum gelebter Gleichberechtigung von Männern und Frauen und davon, dass es in Deutschland nicht immer so perfekt zugehen möge. Nach demMotto von Ute Lemper: „Einfacher! Offener! Und viel mehr lachen!“

(Christiane Schwalbe)