Theater Bremen
Brauhauskeller
Theaterkritik


"Die bitteren Tränen der Petra von Kant"

Rainer Werner Fassbinder


INSZENIERUNG:
Mirja Biel

DARSTELLER:
Petra von Kant:
Irene Kleinschmidt

Karin Thimm:
Johanna Geißler

Marlene:
Christoph Rinke



"Die bitteren Tränen der Petra von Kant"

Rainer Werner Fassbinder

Ein blendend weißer Bühnenraum, alles ist spiegelnd, glitzernd, flimmernd: Der Auftritt der Akteure wird geschickt in Szene gesetzt, denn auch der kleinste Farbtupfer kommt in diesem schicken Ambiente voll zur Geltung.

Grelle Glitzerwelt

Glanz und Glamour, das ist die Welt der Petra von Kant, einer Karrierefrau in der Modebranche, der ihr "guter Geist", die unterwürfige Marlene, ständig den Telefonhörer und ein volles Glas mit Gin hinhält. Irgendwer ruft immer an und trinken muß Petra sowieso. Alkohol ist Petra von Kant der liebste Begleiter geworden.

Emanzipierte Frauen

Eine junge Frau taucht auf, von Petra als künftiges Topmodel auserkoren. Doch nicht nur das. Die emanzipierte Frau von Welt will die junge, unerfahrene Karin zu ihrer Liebhaberin machen. Eine Beziehung, die für die eine Liebe, für die andere Mittel zum Zweck wird und zum Scheitern verurteilt ist; obwohl Karin sich durchaus für beide Geschlechter. interessiert.

Liebe und Macht

Liebe und Macht, brutal und subtil - das waren Rainer Werner Faßbinders Themen für dieses Stück. Er schrieb es in den 70er Jahren, als die Frauen sich von der Männerwelt lösten und ihren eigenen Weg der Befreiung und Emanzipation gingen, koste es was es wolle. Eine gesellschaftliche und zugleich politische Dimension im neu zu findenden weiblichen Rollenverständnis.

Effektvolle Blitze

Mirja Biel, seit der letzten Spielzeit feste Regieassistentin am Theater Bremen, inszeniert ganz und gar im Heute, laut, aggressiv und auf manchmal nervende Art spannungsgeladen, untermalt von Musik, um die Szenen zuzuspitzen.
Die Figur der Petra von Kant wird in all ihrer Einsamkeit, inneren Leere und Abhängigkeit buchstäblich ans Licht gezerrt - auch mit stroboskopischen Blitzen.
Eine Inszenierung, die insgesamt auf Effekte und nicht auf subtile Töne setzt und in der die Schauspielerinnen in diesem Sinne überzeugend agieren.

(Christiane Schwalbe)