Bremen Theater
Schauspielhaus
Theaterkritik


"Der zerbrochene Krug"


Heinrich von Kleist


INSZENIERUNG:
Christian Pade

BÜHNE und KOSTÜM:
Alexander Lintl

DARSTELLER:
Dorfrichter Adam:
Tobias Beyer

Gerichtsrat Walter: Glenn Goltz

Schreiber Licht:
Siegfried W. Maschek

Frau Marthe Rull:
Eva Gosciejewicz

Eve:
Franziska Schubert


"Der zerbrochene Krug"
Heinrich von Kleist

Ein karges Bühnenbild: In Kleists "ländliche Gerichtsstube" stehen Schreibtisch und Bett aus schäbigem schwarzem Holz, ein Kühlschrank und allerlei Gerümpel, Flaschen, Motorradhelm, Gitarre. Im Hintergrund, vor einer Schubladenwand, sitzen aufgereiht die Akteure, warten auf ihren Einsatz.

Auftritt im Pyjama

Dorfrichter Adam hat seinen ersten Auftritt im Streifenpyjama, barfüßig, verpennt, eine blutige Schramme an der Stirn. Er klimpert ein bisschen auf der Gitarre, stöhnt über seinen schmerzenden Fuß und gerät in Aufruhr als sein Schreiber ihn zur Eile mahnt.
In Kürze wird der Gerichtsrat auftauchen, um den Gerichtstag zu beobachten. Herr Walter steigt dann bezeichnenderweise von oben herab, über eine Leiter. Die Eingangstür befindet sich auf höherer Ebene.

Der gute Ruf ist in Gefahr

Worum geht es: Dorfrichter Adam wollte Marthe Rulls Tochter Eve den Gefallen tun, ihrem Verlobten Ruprecht eine Befreiung vom Militärdienst zu attestieren. Offenbar sollte sie dafür mehr als nur ein Dankeswort geben.
Auf seinem hastigen Weg hinaus durchs Fenster ging ein alter Krug zu Bruch, die Perücke blieb im Baum hängen. Eves Ruf ist in Gefahr - war es Ruprecht oder doch ein Fremder?

Die Wahrheit zum Schluß

Der Gerichtstag wird in jeder Beziehung zum Chaos: Dem Dorfrichter brummt der Schädel, seine Perücke ist nicht zu finden, der Gerichtsrat drängt auf schnelle Prozessführung, Frau Marthe schildert als Klägerin die Geschichte des zerbrochenen Kruges schrill und wortreich, ihre Tochter Eve spielt die Naive und schweigt sich aus. Erst als Adam von Schublade zu Schublade hüpft und sich (konkreter als Kleist es schrieb) erschießt, rückt sie mit der Wahrheit 'raus.

Mehrfach deutbar

Kleists Lustspiel ist gar nicht so lustig, denn es ist eine mehrfach deutbare Parabel über Sitte und Moral, Eves (verlorene?) Jungfräulichkeit, den Sündenfall von Adam und Eve, Standesunterschiede, heimliche Konkurrenzen (der Gerichtsschreiber würde den unfähigen Richter am liebsten beerben), das Ringen um Gerechtigkeit, die es nicht wirklich gibt, obwohl Gerichtsrat Walter als Sach-Walter des Rechts versucht, für einen ordentlichen Ablauf des Verfahrens zu sorgen. Aber er resigniert schnell.

Modern im Outfit

Christian Pade inszeniert die stellenweise groteske und in einigen Szenen wirklich komische Geschichte temporeich und modern im Outfit, zeitweise rennen die Darsteller wie aufgescheuchte Hühner hin und her.
Kostüme und Bühnenbild beissen sich bisweilen arg mit dem altertümlichen Text, der obendrein oft vernuschelt, also schwer verständlich 'rüberkommt.
Ein paar Lacher und wohlwollender Beifall belohnten vor allem die Darsteller.

(Christiane Schwalbe)