Theater Bremen
Theater am Goetheplatz
Theaterkritik


"Gott des Gemetzels"

von Yasmina Reza


INSZENIERUNG:
Werner Schneyder

BÜHNENBILD:
Monika Gora

DARSTELLER:
Veronique:
Eva Gosciejewicz
Michel:
Martin Baum
Annette:
Susanne Schrader
Alain:
Guido Gallmann




"Der Gott des Gemetzels"

Zwei Ehepaare treffen sich - nicht ganz freiwillig - im modisch eingerichteten Wohnzimmer von Veronique und Michel. Ihre Söhne haben sich geprügelt, der eine hat dem anderen mit einem Stock zwei Zähne ausgeschlagen. Die Eltern wollen den Vorfall besprechen und sich über erzieherische Konsequenzen verständigen. Friedlich und zivilisiert.

Macho und Pantoffelheld

Veronique beschreibt die zu verhandelnde Angelegenheit in dramatischen Tönen, Annette schweigt betroffen, die beiden Männer halten sich zurück.
Alain ist typischer Macho, Anwalt und vor allem wichtig, denn er hängt ununterbrochen am Handy. Michel handelt mit Haushaltswaren, steht unter dem Pantoffel und telefoniert brav mit Mama. Zu viert sitzt man gesittet bei Espresso und Kuchen und tauscht Phrasen aus.

Das Spiel eskaliert

Aber der anfänglich oberflächliche Smalltalk gerät zum verbalen Gefecht, die Dialoge werden bissiger, tückischer, schriller. Der Gott des Gemetzels hat die Regie übernommen. Den vier Beteiligten fällt es zunehmend schwer, die Fassung zu bewahren.
Annette ist genervt - sie findet die Situation offenbar zum Kotzen und tut genau dies. Veroniques teurer Kunstkatalog ist hin. Und wenig später auch das Handy des Rechtsanwalts. Seine Frau wirft es triumphierend in die Blumenvase.

Gegenseitige Entlarvung

Wer hat Recht? Wer zieht den kürzeren? Die Ehepaare entlarven die Schwächen des anderen. Alle kriegen ihr Fett weg, jeder verbündet sich mit jedem. Ein paar Gläser Rum lösen die Zungen, die bürgerliche Fassade bricht, aus Boshaftigkeit wird Verletzung und Beschimpfung. Es geht längst nicht mehr um die Rauferei der Kinder, nur noch um das Recht des Stärkeren. Die zwischenmenschlichen Gräben, die sich auftun, könnten nicht tiefer sein.

Bitterböse Untertöne

Die Erfolgsautorin Yasmina Reza hat ein komödiantisches Kammerspiel mit bitterbösen Untertönen und hohem Unterhaltungswert geschrieben. Das bürgerliche Publikum darf sich in diesem satirisch-kritischen Einakter gern wiedererkennen. Gelegenheit genug gibt es und damit immer wieder Anlass zur Heiterkeit.

Im Käfig der Konventionen

Werner Schneyder lässt seinen Darstellern viel Raum, im Sinne des Wortes: Auf der hellen Bühne mit zartviolettem Licht über bunten Tulpensträußen, knallig orangefarbenen Sofas und chinesischen (Hochzeits)Möbeln wird viel hin und her gelaufen, wie in einem Käfig. Aber so sind Konventionen schließlich auch.
Die Darsteller agieren mit viel Witz und hintergründiger Boshaftigkeit, eine sehenswerte Ensembleleistung.

(Christiane Schwalbe)