Theater Bremen
Schauspiel
Theaterkritik


"Das Versprechen"

nach Friedrich Dürrenmatt


DRAMATISIERUNG und INSZENIERUNG:
Hanna Rudolph

BÜHNE:
Christian Kiehl
KOSTÜME:
Geraldine Arnold

MUSIK:
Kriton Klingler

DARSTELLER:

Daniel Fries

Franziska Schubert

Eva Gosciejewicz

Tobias Beyer

Jan Byl

Glenn Goltz







72

"Das Versprechen"

Schauspiel nach Friedrich Dürrenmatt

Es beginnt mit einer Abschiedsparty: Kommissar Matthäi geht nach Jordanien, um dort als Polizeiberater zu arbeiten. Da kommt plötzlich ein Anruf: Die Leiche eines kleinen Mädchens ist gefunden worden. Seine Kollegen haben den mutmaßlichen Täter schnell gefunden, der sich nach seinem Geständnis erschießt.

Suche nach der Wahrheit

Matthäi glaubt nicht an dessen Schuld, und hat den Eltern des Mädchens das Versprechen gegeben, den wahren Täter zu finden. Er lässt den Job in Jordanien sausen, wird vertragsbrüchig, verliert seine Stelle und ermittelt privat weiter, überzeugt von dem Gedanken, dass der Mörder noch frei herumläuft. Die Suche wird zur Obsession, die ihn psychisch fast in den Wahnsinn treibt und schließlich dazu führt, ein kleines Mädchen als Köder zu benutzen, um den Schuldigen zu stellen.

Temporeich inszeniert

Friedrich Dürrenmatt schrieb "Das Versprechen" 1958 als "Requiem auf den Kriminalroman" und Regisseurin Hanna Rudolph hat für diese Aufführung eine neue Dramatisierung geschrieben, die das Geschehen ohne Zeitbezug mit einem ständigen Szenen- und Kostümwechsel temporeich umsetzt.
Die Schauspieler stehen ununterbrochen auf der Bühne, schlüpfen in unterschiedliche Rollen und Kostüme, stellen dabei Requisiten um und dekorieren das Bühnenbild neu. Da wird eine Neonleuchte zur Schaukel, ein Ventilator zum Steuerrad eines Sportwagens und ein Polizeibeamter taucht plötzlich im Clownskostüm auf.

Unterhaltsam und anrührend

Das Stück entwickelt sich vor den Augen der Zuschauer Szene um Szene, überraschend und unterhaltend. Schrille Auftritte, in ihrer Expressivität manchmal überzogen, wechseln mit Szenen, in denen die seelische Deformation des Kommissars ausgelotet wird, der besessen ist von seiner Mission, den Täter zu finden.
Das ist durchweg gut gespielt, trotz der ernsten Geschichte zum Teil sehr unterhaltsam und anrührend, wenn Franziska Schubert das naive Mädchen mimt, das dem Kommissar als Lockvogel dient. Temperamentvoll und manchmal nahezu ausgeflippt setzen sich Eva Gosciejewicz und Glenn Goltz in Szene, mit ihnen jagen Tobias Beyer und Jan Byl über die Bühne. Daniel Fries ist der Kommissar, der an seiner Wahnidee fast verzweifelt.

(Christiane Schwalbe)