Theater Bremen
Moks-Theater
Theaterkritik


"Das A.K.-System"

von Lionel Spycher


INSZENIERUNG:
Hüseyin Cirpic

BÜHNENBILD:
Sigi Colpe

DARSTELLER:
Johanna Geißler
Gabriele Möller-Lucasz
Franziska Schubert
Jochen Klüßendorf
Stephan Szász



"Das A.K.-System"

Uraufführung im Moks-Theater Bremen

Ob A.K., B.Z. oder X.Y. - Buchstaben sind Chiffren des immer gleichen Typus eines Unternehmers, der anpassungsfähige, karrierebewußte und profilsüchtige Angestellte in seinem Sinne handeln lässt und selbst hinter den Kulissen agiert. Darin steckt System, dazu gehört der schnelle Profit in der viel zitierten Finanzblase, die irgendwann platzen muss.

Imaginäre Geschäftswelt

Im A.K.-SYSTEM auf der Bühne des Moks-Theaters geht es um ein imaginäres Unternehmen mit imaginärem Geschäftsbereich. Was produziert wird, bleibt im Dunkeln.
Das Stück ist eine Uraufführung, ein Auftragswerk des Theaters Bremen, geschrieben von Lionel Spycher, erfolgreicher Theaterautor in Frankreich. Er füttert uns anderthalb Stunden lang mit den blutleeren Dialogen eines inhaltlich dürftigen Textes.

Kampf ums Überleben

Wirtschaftliche Rezession und Finanzkrise, Existenzangst und Leistungsdruck sind die Themen. Die fünf Mitarbeiter der imaginären Firma streiten in Meetings um ebenfalls imaginäre Projekte, der Manager fordert Innovation und große Ideen, damit nicht Asiaten der Firma den Garaus machen.
Privatheit ist fehl am Platz, Konkurrenzkampf und Stress bestimmen den Büroalltag. Die handelnden Figuren sind Karikaturen armseliger Angestellter, deren Seelen langsam verkümmern.

Von der Realität überholt

Die Realität hat den Autor ein- und mehrfach überholt. Aber auch ohne die Brisanz der gegenwärtigen Finanzkrise hätte es genügend Stoff für ein kritisches, spannendes und menschlich berührendes Stück gegeben.
Dem A.K.-SYSTEM fehlen psychologische Tiefe und subtile Beobachtung. Da wird zu viel zusammengerührt: Selbstbehauptung im Job, Existenzangst, Seelenqual, Liebesaffären, Opfer, die Frauen für ihre Karriere bringen, und der Traum vom selbstbestimmten Leben: Hühnerzucht und Gemüseanbau.

Darstellerische Präsenz

Die SchauspielerInnen mühen sich in der allzu streng auf den Text und seine Sprechblasen konzentrierten Inszenierung von Hüseyin Michael Cirpic redlich ab. Aber wo nichts ist, können sie nicht viel gestalten.
Situationskomik bringt das Publikum zwar zum Schmunzeln, aber als Komödie war das Stück nicht gedacht. Dabei ist wahr, was auf der Bühne geschieht: Die Klischees vom täglichen Büroalltag und von den Typen, die auf den Beruf fixiert sind, werden erkennbar. Das ist dem Schau-Spiel der fünf Akteure zu danken.

Typen des Büroalltags

Franziska Schubert als naive Büromaus, die alles tut, um dem Chef zu gefallen. Johanna Geißler als ehrgeizige Karrierefrau, die schwanger ist und sich nicht entscheiden kann. Stephan Szász als polternder Teamleiter ohne jede Vision, Jochen Klüßendorf als mit komischem Hütchen bekleideter Workoholic und Gabriele Möller-Lucasz als ältere Sekretärin, die ihr Leben ihrem Job geopfert hat.

Witziges Bühnenbild

Einfallsreich an dieser Inszenierung ist vor allem das Bühnenbild von Sigi Colpe: ein offenes Großraumbüro mit karger, aber typischer Möblierung und (symbolischen) Stolperschwellen.
Die rückwärtige Milchglaswand wird zur Schiebetür in eine neue Zukunft und gibt den Blick auf dampfende Gemüsebeete frei, die treppenförmig nach oben steigen.

(Christiane Schwalbe)