Theater Bremen
Schauspielhaus
Theaterkritik


"Früchte des Nichts"


Schauspiel von
Ferdinand Bruckner


INSZENIERUNG:
Sebastian Schug




"Früchte des Nichts"

Schauspiel von Ferdinand Bruckner

"Früchte des Nichts" ist vielleicht kein Stück aus der Mottenkiste, aber angestaubt ist es schon. Dass es auf deutschsprachigen Bühnen nicht gespielt wird, hat seinen Sinn. Die gestelzte Sprache, die der Dramatiker Ferdinand Bruckner für den letzten Teil seines Zyklus' "Jugend zweier Kriege" gefunden hat, macht das sperrige Stück nicht unbedingt leichter. Und die Mischung aus jugendlichem Nihilismus, existentiellen Fragen des Seins und expressiven Szenarien wirkt eher befremdlich.

Suche nach Orientierung

Man sitzt da und staunt über die Gruppe jugendlicher Abiturienten, die nichts mit sich anzufangen wissen, zwischen Nietzsche, Geld, Drogen, Gott und Konsumrausch schwanken und miteinander tändeln, ohne eindeutige Absichten zu haben: Kokettes Püppchen, prüde Katholikin, großspuriger Macho, braver Streber und intellektueller Sinnsucher.
Auf der Suche nach Orientierung reist diese Gruppe nach Italien. Nach dem Krieg liegt der Sinn des Lebens im zerstörten Deutschland nicht unbedingt auf der Straße.

Jugendliche Ratlosigkeit

Kurz vor der Währungsreform damals, Arbeitslosigkeit und Hartz IV heute - war das gemeint? Bruckner selbst sagte, "Früchte des Nichts" habe die "Überwindung von Nihilismus und Resignation zum Gegenstand". In Schugs Inszenierung gerät keine bestimmte Zeit in den Blick, dafür umso mehr die Ratlosigkeit der Jugend allgemein, die schon mal in Hysterie umschlägt.

Mord und Panik

Auf dem Weg nach Italien geschieht etwas, allerdings eher unvorhergesehen und in seiner Dramatik besonders erschreckend: ein Mord. Nun gerät alles aus dem Ruder, Panik bricht aus, was tun?

Zwischen Kitsch und Klamauk

Als Zuschauer wird man schlagartig aufgeschreckt, denn der Vorhang hebt sich und gibt krachend und nebelnd ein spektakuläres Bühnenbild frei. Berge aus Pappmaché, ein rostiger Container, eine klotzige, surreale Landschaft mit dem überdimensionalen Schwarz-Weiß-Foto eines Autos. Dahinter sitzt der Fahrer, tot, erschossen von einem aus der Gruppe. Eine bombastische Kulisse zwischen Kitsch und Klamauk.

Ohne tiefere Bedeutung

Fortan laufen die Darsteller z.T. blutverschmiert oder mit Masken vor dem Gesicht über die Bühne, ebenso ratlos diskutierend wie Mutter und Lehrer, die sinnbildlich am Rande stehen. Die Jugendlichen sind schockiert, hilflos und kurz vor dem Abdrehen.
Der Theaterabend gerät in der letzten halben Stunde zum effektvollen Spektakel, sozusagen Bühnenshow pur, ohne deutlichen Hintersinn und aufklärerische Absichten.
Früchte des Nichts eben.

(Christiane Schwalbe)