Theater Bremen
Brauhauskeller
Theaterkritik


"Die Eisvögel"


Schauspiel von
Tine Rahel Völcker


REGIE:
Henrike Vahrmeyer




Die Eisvögel

Schauspiel von Tine Rahel Völcker

Ein Wintertag am See: Karl begegnet Josi, die sich offensichtlich das Leben nehmen will. Karl verhindert den Selbstmord und nimmt das Mädchen mit zu sich nach Hause. Er ist verheiratet mit Eva, die widerwillig zustimmt, Josi übernachten zu lassen.

Zweierbeziehung

Josi bleibt nicht nur eine Nacht. Sie nistet sich regelrecht ein, nicht nur im Haus, sondern auch in der Beziehung von Karl und Eva. Karl arbeitet zu Hause, er ist Musiker. Eva geht täglich aus dem Haus. Sie ist eifersüchtig, unterstellt Karl schon sexuelles Interesse an Josi als noch gar nichts passiert ist. Aber es passiert natürlich.

Wechselspiel von Macht und Erpressung

Josi stört die Beziehung und amüsiert sich, naiv wie ein Kind. Dann wieder ist sie depressiv, kokett oder störrisch. Eva rastet aus, reißt sich wieder zusammen, lässt Josi gehen und holt sie gegen jede Vernunft wieder zurück. Eine unfreiwillige Ménage à trois, ein Wechselspiel von Macht und subtiler Erpressung beginnt. Keiner wird dabei gewinnen. Die Eskalation ist nicht aufzuhalten und am Ende haben alle verloren. Oder versagt?

Soziale Beziehungslosigkeit

Ein Schauspiel um Liebe und Beziehung, um soziale Beziehungslosigkeit, Ohnmacht und Wut. Ganz alltägliche Gefühle also, die die drei Protagonisten erleben, Gefühle, die jeder kennt und nachempfinden kann. Das macht zwar das Verständnis einfach, verhindert aber dramaturgische Spannungsbögen. Allzu oft werden nur Klischees bedient – mal heiter, mal tragisch, mal ironisch.

Cooles Kammerspiel

Inszeniert ist das Stück als cooles Kammerspiel: ein eisgrauer Laufsteg als Bühne, sparsamer Einsatz von Requisiten, grau und schwarz die Kostüme. Das Publikum sitzt nicht parallel zum Laufsteg, sondern am Kopf- und Fußende der lang gezogenen Bühne, auf der die drei Schauspieler engagiert und energiegeladen agieren.

(Christiane Schwalbe)