Theater Bremen
Schauspielhaus
Theaterkritik


"Titus Andronicus"

William Shakespeare
Neues Schauspielhaus Bremen



REGIE:
Christine Eder

BÜHNENBILD:
Christof Hetzer

DARSTELLER:
Daniel Fries,
Tobias Beyer,
Siegfried W. Maschek,
Johanna Geißler,
Eva Gosciejewicz
u.a.


"Titus Andronicus"
William Shakespeare

Regie: Christine Eder

Neues Schauspielhaus Bremen
Natürlich ist es nur Theaterblut, aber das spritzt und fließt gleich literweise in Christine Eders Inszenierung von Shakespeares "Titus Andronicus". Die Geschichte des römischen Feldherrn ist nicht wirklich ernst gemeint, sondern mit ironischer Brechung auf die Bühne gebracht. Wobei die Ironie dem Klamauk manchmal gefährlich nahe kommt.

Blutige Rache

Shakespeares Tragödie ist eine besonders blutrünstige, immerhin werden nicht weniger als 14 Menschen gemeuchelt und gemetzelt, erdolcht, geköpft und in den Kochtopf geworfen. Dem römischen Feldherrn Titus Andronicus, der schon viele Schlachten für Rom geschlagen hat, geht es gar nicht mehr um die Macht. Er hat die Goten zwar bezwungen, aber auf den Kaiserthron setzt er lieber den Prinzen Saturninus.
Umso mehr sinnt die Gotenkönigin Tamora auf Rache als Titus ihren Sohn ermorden lässt. Den bösen Rachegelüsten der besiegten Gotenherrscherin, die den neuen römischen Kaiser ehelicht und es heimlich mit einem Mohren treibt, fällt auch Titus' Tochter Lavinia zum Opfer, die von ihren Söhnen geschändet und übel zugerichtet wird.

Bunt und knallig

Christine Eders Inszenierung setzt auf bunte Knalleffekte. Die Bühne ist als grüner, sumpfiger Dschungel dekoriert, mit Löchern und Gräben, die wechselweise als Unterschlupf, Höhle oder Falle dienen. Die Darsteller sind tätowiert, grell bemalt und meist blutverschmiert, sie treten als üble Meute auf oder brutale Punks, spielen in Trainingshosen und Unterhemden, deklamieren das blutrünstige Geschehen mal als Slapstick und mal als bitterböse schwarze Komödie.

Schrill und überzeichnet

Zeitweise ist das nur noch unappetitlich schmierig und schrill überzeichnet. Die ironische Brechung kippt, den Zuschauer beschleicht das Gefühl, dass auf der Bühne nun endlich mal die Sau raus gelassen werden soll.
Die Regisseurin ist einfallsreich, das Bühnenbild fantasievoll und überraschend. Als Kampfwerkzeuge dienen Baseballschläger, Schlachtermesser und schartige Spielzeugdolche. Reste einer Zivilisation werden durch einen schrottreifen Mercedes symbolisiert, der einer Live-Band als Bühne für atmosphärisch begleitende Musikeinlagen dient.

Sperriges Horrorstück

Die Frage ist nur: warum wird dieses Stück überhaupt noch inszeniert? Um blutrünstige Videospiele und Actionfilme unserer Zeit zu karikieren, die aus Kindern kleine Killer machen könnten? Oder um die Barbarei in einer globalen Welt aufs Korn zu nehmen? Dazu gäbe es andere literarische Vorlagen als ausgerechnet dieses sperrige Horrorstück eines noch sehr jungen Shakespeare.

(Christiane Schwalbe)