Theater Bremen
Theaterkritik


"Eine florentinische Tragödie"
und
"Der Zwerg"

Alexander Zemlinsky


INSZENIERUNG:
Andreas Bode
MUSIKAL. LEITUNG:
Markus Poschner
AUSSTATTUNG:
Ai Weiwei

DARSTELLER:
Prinz von Florenz:
Mark Duffin
Simone, Kaufmann:
Carsten Wittmoser
Bianca, seine Frau:
Nadja Stefanoff
Donna Clara, Infantin von Spanien:
Sara Hershkowitz
Chita, ihr Zofe:
Nadine Lehner
Don Estoban, Haushofmeister:
Loren Lang
Der Zwerg:
Peter Marsh



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"Eine Florentinische Tragödie" und "Der Zwerg"
von Alexander Zemlinsky

Mit einem Bühnenbild von Ai Wei Wei

Einen fast vergessenen Komponisten und einen Weltstar der Kunst vereinen die Operneinakter "Eine Florentinische Tragödie" und "Der Zwerg" von Alexander Zemlinsky, im Bühnenbild des chinesischen Konzeptkünstlers Ai Wei Wei. Die literarischen Vorlagen lieferte Oscar Wilde.

Meisterlich wie Richard Strauss

Mit Alexander Zemlinsky hat das Theater Bremen einen fast vergessenen Komponisten der 1920er und 1930er Jahre wieder entdeckt. "Er kam", sagt Markus Poschner, Generalmusikdirektor der Bremer Philharmoniker und des Theaters Bremen, "mit seinen Hauptwerken einfach um 15 bis 20 Jahre zu spät. Zemlinsky fordert und behandelt das Orchester mit der gleichen Meisterschaft wie Richard Strauss, auch wenn er zu anderen Ergebnissen kommt als dieser".

Ehebruch und Rache

Beide Stücke entstanden nach Vorlagen von Oscar Wilde, in "Eine Florentinische Tragödie" geht es um Ehebruch und Rache. Kaufmann Simone erwischt seine Frau mit dem Sohn des Herzogs von Florenz. Dem Nebenbuher verkauft er zunächst kostbare Waren, fordert ihn dann zum Duell und tötet ihn.

Spielball der Prinzessin

"Der Zwerg" erzählt die Geschichte einer 18jährigen Prinzessin, die einen Zwerg geschenkt bekommt. Der ist so hässlich, dass er zum Gespött des Hofes wird, was er nicht versteht, weil er sein Spiegelbild nicht kennt. Er verliebt sich in die Prinzessin, die ihn zwingt, sich endlich im Spiegel zu betrachten. Ein Schock, der ihn in den Tod treibt.

Weltstar der Kunstszene

Das Bühnenbild für beide Einakter wurde von Ai Wei Wei gestaltet, einem Weltstar der Kunstszene, der als prominenter Dissident mit politischen Aktionen gegen seine Heimat China für Aufsehen sorgt. Er selbst hat erklärtermaßen kaum Opern gesehen. Also sind seine in sich fantasievollen, harmonischen und außergewöhnlichen Bühnenbilder schöne, aber autonome Skulpturen, die wenig Bezug zu den Handlungen der Opern haben.

Installationen auf der Bühne

Eine Installation von in-, über- und durcheinander gestapelten Fahrrädern ist Kulisse für die "Florentinische Tragödie" und ein schwebendes, aus flexiblen Metallstangen geknüpftes Gebilde hebt und senkt sich bei "Der Zwerg" über der Bühne, von Regisseur Andreas Bode "Das Monster" genannt.
Zwei in ihrer Ästhetik und ausdrucksstarken Musikalität insgesamt sehenswerte Inszenierungen. Lesenswert: das umfangreiche Programmheft.

(Christiane Schwalbe)