Theater Bremen
Schauspielhaus
Theaterkritik


"You say goodbye -
I say hello"



INSZENIERUNG:
Henrike Vahrmeyer

MUSIKALISCHE LEITUNG:
Alexander Seemann

"You say goodbye - I say hello"

Schauspiel-Liederabend

Es gibt Theaterabende, die sind einfach nur ärgerlich. Weil sie Langeweile verbreiten. Noch schlimmer ist, wenn man hinterher noch mal nachlesen muss, was die Macher eigentlich gemeint haben.

Grauer Alltag

Im Fall von "You say goodbye -I say hello" wollten sie den Alltag, pardon: den grauen Alltag ins Bild setzen, dieses "scheinbar unscheinbare Thema", bei dem es kurze Begegnungen gibt und viel Einsamkeit.
Das langatmige Spiel wird auch in 85 Minuten nicht bunter, allenfalls die Kostüme sind es, in denen die Darsteller vorwiegend hektisch herumlaufen und sich die Perücken raufen.

Bunte Papierschwalben

Treppen rauf, Treppen runter, Kleider aus, Kleider an - die Spielideen für die als Treppenhaus gestalteten Bühne halten sich in engen Grenzen, ihr tieferer Sinn ist nur schwer nachvollziehbar.
Rosa Taftkleidchen und geblümte Gummistiefel, türkisfarbener Anzug, knallrote Haare und der schwungvolle Flug bunter Papierschwalben bringen zwar etwas Farbe auf die Bühne, aber nicht wirklich Poetik und Unterhaltung. Beides wird aber versprochen für diesen Schauspiel-Liederabend, der Musik von Franz Schubert bis David Bowie im Sinne des Wortes ins Bild setzen will.

Piano und Akkordeon

Richtig, es ist ja ein Liederabend, es wird Piano, Akkordeon und Handy gespielt, ein alter Fernseher läuft und die Akteure singen. Leider sind es keine populären Hits, die ins Ohr gehen, sondern fast ausschließlich ruhige bis melancholische Songs.
Wer die englischen Texte nicht versteht, kann die Übersetzung mitlesen. Die Projektion ist allerdings nur zeitweise wirklich lesbar. Das sollte spätestens nach der dritten Aufführung jemandem aufgefallen und korrigiert sein.

Spiel im Spiel

Unterhaltsam? Anregend? Poetisch? Subtil? Nichts von alledem. Irgendwie sind mit dem Produzententeam Henrike Vahrmeyer (Regie) und Alexander Seemann (Musik) offenbar die persönlichen Assoziationen durchgegangen.
Das Spiel auf der Bühne bleibt so grau wie das Bühnenbild, allen redlichen Bemühungen der Darsteller zum Trotz.
Es gibt allerdings ein paar Lichtblicke: Die farbigen Videoprojektionen des Lichtdesigners Till Botterweck von "urbanscreen" inszenieren ein Spiel im Spiel, lassen eine schöne, bunte virtuelle Welt entstehen, die Spaß macht.

Feiertagsprogramm

Angesichts eines höchstens zu einem Viertel besetzten Schauspielhauses ist unverständlich, warum ausgerechnet dieser Liederabend für das Weihnachts- und Silvesterprogramm ausgewählt wurde.

(Christiane Schwalbe)