
INSZENIERUNG:
Katharina Wagner
MUSIKALISCHE LEITUNG:
Christoph Ulrich Meier
AUSSTATTUNG:
Tilo Steffens
Beeindruckend ist schon die Kulisse: Eine weiße Treppe füllt den gesamten Bühnenraum aus, in der Mitte eine überdimensionale weibliche Statue, nackt. Sie steht als Symbol für Rom, trägt die goldene Weltkugel in der Hand, die Rienzi auffängt, der als charismatischer Volkstribun die Herrlichkeit der römischen Republik auferstehen lassen will. Das wankelmütige Volk lässt sich nur allzu gern ver-führen und blenden.
Rienzis grenzenloses Allmachtsgehabe verleitet ihn zum Krieg und zum Töten. Das Volk nimmt ihm das übel. Der selbst ernannte Retter Roms stürzt vom Sockel.
Kirche und Kaiser dulden den Größenwahn Rienzis nicht, er steht zum Schluss einsam und verlassen da, geht zugrunde im brennenden Kapitol, auf der Bühne ein Baugerüst aus Stahl. Nur Irene, seine Schwester, hält bis zum bitteren Ende zu ihm.
Katharina Wagner erzählt das Drama von Macht und Verführung bilderreich, mit Tempo, viel Personal und ständiger Bewegung auf der Bühne, mit vielen Assoziationen, die in Vergangenheit und Gegenwart verweisen.
Fast immer steht der gesamte Chor auf der Treppe, und beherrscht die Szene gesanglich eindrucksvoll.
Dazu eine Fülle symbolkräftiger Requisiten: die Mülltone als Rienzis Triumphwagen, einen Laubbläser auf dem Rücken, das Rohr als Waffe triumphierend empor gereckt.
Eine durchweg wunderbar gesungene Oper, emotional und expressiv inszeniert, kurzweilig, unterhaltsam, ästhetisch und manchmal ausgesprochen schrill.
Die Akteure spielen auf drei Ebenen, Lichteffekte zaubern überraschende Atmosphären, stützen wirkungsvoll tragisch-düstere oder lustvoll-verspielte Szenen.
Die Gesangstexte sind übertitelt, aber oft ist das Geschehen auf der Bühne so irr und wirr, so turbulent und deutungsbedürftig, dass man gar nicht dazu kommt, mitzulesen.
Die Bewaffnung mit Laubbläsern, die Enttarnung Rienzis als Germania mit blonden Zöpfen unter der zuvor langmähnigen Perücke, der gewagte Sprung in üppige Blutlachen auf der Bühne und die Verwandlung Romas in ein Pin-up-Girl mit roten Stiefeln - da gibt es schon mal Lacher im Publikum.
Wagners Pomp und Pathos wird einerseits voll ausgelebt, andererseits durch so gewagte Szenen ironisch bis albern gebrochen. Diese Ambivalenz durchzieht die gesamte Inszenierung, als sei sich Wagners Urenkelin nicht ganz sicher gewesen, ob man das Opernpublikum mit einer derart zugespitzten Inszenierung provozieren dürfe.
(Christiane Schwalbe)