
MUSIKAL. LEITUNG:
Bernd Steixner /
Tjaard Kirsch
INSZENIERUNG:
Tamiya Kuriyama
BÜHNENBILD:
Peter Davison
KOSTÜME:
Frauke Schernau
CHOREOGRAPHIE:
Jacqueline Davenport
Marie Antoinette:
Roberta Valentini
Margrid Arnaud:
Sabrina Weckerlin
Cagliostro:
Ethan Freeman
AUFFÜHRUNGEN:
Bis 31. Mai 2009
Di, Do, Fr 20 Uhr
Mi, So 18 Uhr
Sa 15 und 20 Uhr
Eine zynische Bemerkung angesichts des Elends ihrer Untertanen. Die in Lumpen gekleidete Margrid Arnaud, die um ein paar Almosen betteln muss, ist angewidert von der Dekadenz der Aristokratie. Als sie erlebt, wie die Bordellbesitzerin, die sie aufgenommen hat, von königlichen Soldaten zu Tode gepeitscht wird, schwört Margrid Rache und wird zur Revolutionärin.
Margrid und Marie Antoinette werden sich immer wieder begegnen, nach Hass und Verachtung freundschaftliche Gefühle und Respekt füreinander entwickeln. Am Ende flieht die Gefangene Marie Antoinette nicht vor der Guillotine, sondern stellt sich geläutert und gereift ihrer Schuld ("Eine Königin flieht nicht").
Die persönliche Geschichte zwischen Marie und Margrid und die heimliche Liebe der Königin zu einem schwedischen Diplomaten spielen sich inmitten der französischen Revolution ab. Sie macht aus Königstreuen über Nacht Anhänger der Revolution und aus dem Volk einen rachsüchtigen Mob. Das Drama nimmt seinen Lauf.
Diesen historischen und nicht eben heiteren Stoff in einem Musical umzusetzen, Marie Antoinettes Weg von der exzentrischen Königin zur Gefangenen der Revolution als großes Unterhaltungstheater zu inszenieren - kann das gut gehen? Es kann.
Das teure und umfangreich beworbene Musical in der Inszenierung von Tamiya Kuriyama scheint sich auszuzahlen. Über 50 000 Ticket sind seit der Premiere Ende Januar verkauft worden, bei 100 000 ist die Produktion finanziert.
Ein Musical-Erfolgsduo hat sich den Stoff vorgenommen: Michael Kunze schrieb und Sylvester Levay komponierte. Das Ergebnis ist eine opulente Produktion mit prächtigen Kostümen, aufwändigen Kulissen und großer musikalischer Vielfalt. Es gibt jede Menge Ohrwürmer, vom Schlager über Popsongs und sanfte Balladen bis hin Rock, Jazz und wirkungsvollen Chorszenen.
Ethan Freeman als Cagliostro ist ein magischer Erzähler, Roberta Valentini als Marie Antoinette steigert sich schauspielerisch und stimmlich von Szene zu Szene und Sabrina Weckerlin ist von Anfang an eine präsente und beeindruckende Margrid Arnaud.
Aber es sind nicht die einzelnen Darsteller, die für den Erfolg stehen, dieses Musical ist eine bemerkenswerte Ensembleleistung. Dass die Handlung im zweiten Teil einige Längen hat und dass ein paar Szenen haarscharf am Kitsch vorbei gehen, sind marginale Schwächen in diesem insgesamt überzeugenden, atmosphärisch stimmigen, lebendig und emotional erzählten Musical-Drama vor buchstäblich großer Kulisse.
(Christiane Schwalbe)