Bremen
Musical-Theater
Theaterkritik


"Marie Antoinette"

AUTOR:
Michael Kunze

KOMPONIST:
Sylvester Levay



MUSIKAL. LEITUNG:
Bernd Steixner /
Tjaard Kirsch
INSZENIERUNG:
Tamiya Kuriyama
BÜHNENBILD:
Peter Davison
KOSTÜME:
Frauke Schernau
CHOREOGRAPHIE:
Jacqueline Davenport

Marie Antoinette:
Roberta Valentini
Margrid Arnaud:
Sabrina Weckerlin
Cagliostro:
Ethan Freeman

AUFFÜHRUNGEN:
Bis 31. Mai 2009
Di, Do, Fr 20 Uhr
Mi, So 18 Uhr
Sa 15 und 20 Uhr


"Marie Antoinette"

Musical von Michael Kunze und Sylvester Levay
Europa-Premiere im Musical-Theater Bremen

Sie war verschwenderisch, rücksichtslos und egoistisch und bei ihrem Volk verhasst. Den Satz, den die Österreicherin Marie Antoinette, Königin Frankreichs, über die Armut ihrer Untertanen gesagt haben soll, hören wir gleich zu Anfang auf der Bühne des Musical-Theaters Bremen: "Wenn sie kein Brot haben, sollen sie Kuchen essen".

Dekadenz der Aristokratie

Eine zynische Bemerkung angesichts des Elends ihrer Untertanen. Die in Lumpen gekleidete Margrid Arnaud, die um ein paar Almosen betteln muss, ist angewidert von der Dekadenz der Aristokratie. Als sie erlebt, wie die Bordellbesitzerin, die sie aufgenommen hat, von königlichen Soldaten zu Tode gepeitscht wird, schwört Margrid Rache und wird zur Revolutionärin.

Eine Königin flieht nicht

Margrid und Marie Antoinette werden sich immer wieder begegnen, nach Hass und Verachtung freundschaftliche Gefühle und Respekt füreinander entwickeln. Am Ende flieht die Gefangene Marie Antoinette nicht vor der Guillotine, sondern stellt sich geläutert und gereift ihrer Schuld ("Eine Königin flieht nicht").
Die persönliche Geschichte zwischen Marie und Margrid und die heimliche Liebe der Königin zu einem schwedischen Diplomaten spielen sich inmitten der französischen Revolution ab. Sie macht aus Königstreuen über Nacht Anhänger der Revolution und aus dem Volk einen rachsüchtigen Mob. Das Drama nimmt seinen Lauf.

Nicht eben heiter

Diesen historischen und nicht eben heiteren Stoff in einem Musical umzusetzen, Marie Antoinettes Weg von der exzentrischen Königin zur Gefangenen der Revolution als großes Unterhaltungstheater zu inszenieren - kann das gut gehen? Es kann.
Das teure und umfangreich beworbene Musical in der Inszenierung von Tamiya Kuriyama scheint sich auszuzahlen. Über 50 000 Ticket sind seit der Premiere Ende Januar verkauft worden, bei 100 000 ist die Produktion finanziert.

Opulente Produktion

Ein Musical-Erfolgsduo hat sich den Stoff vorgenommen: Michael Kunze schrieb und Sylvester Levay komponierte. Das Ergebnis ist eine opulente Produktion mit prächtigen Kostümen, aufwändigen Kulissen und großer musikalischer Vielfalt. Es gibt jede Menge Ohrwürmer, vom Schlager über Popsongs und sanfte Balladen bis hin Rock, Jazz und wirkungsvollen Chorszenen.
Ethan Freeman als Cagliostro ist ein magischer Erzähler, Roberta Valentini als Marie Antoinette steigert sich schauspielerisch und stimmlich von Szene zu Szene und Sabrina Weckerlin ist von Anfang an eine präsente und beeindruckende Margrid Arnaud.

Marginale Schwächen

Aber es sind nicht die einzelnen Darsteller, die für den Erfolg stehen, dieses Musical ist eine bemerkenswerte Ensembleleistung. Dass die Handlung im zweiten Teil einige Längen hat und dass ein paar Szenen haarscharf am Kitsch vorbei gehen, sind marginale Schwächen in diesem insgesamt überzeugenden, atmosphärisch stimmigen, lebendig und emotional erzählten Musical-Drama vor buchstäblich großer Kulisse.

(Christiane Schwalbe)