"Fidelio"

Ludwig van Beethoven mit Maximilian Schell, Texte Walter Jens


MUSIKALISCHE LEITUNG:
Markus Poschner

Theater am Goetheplatz
Bremen


"Fidelio" von Ludwig van Beethoven

Mit Maximilian Schell und Texten von Walter Jens

"Operngala" hört sich extravagant an und ist doch nur ein geschickter Werbeeffekt. Beethovens Freiheitsoper "Fidelio" wurde als konzertante Aufführung gespielt, also ganz ohne Kostüme, Bühnenbild oder aufwändige Lichteffekte. Aber ein Weltstar hatte zugesagt, Texte aus "Roccos Erzählung" von Walter Jens zu lesen: Maximilian Schell.

Grandiose Musik

Der Schauspieler, Regisseur, Schriftsteller und Oscar-Preisträger ist von dieser Oper fasziniert, sagte er in einem Interview von Radio Bremen, und: "Die Musik ist grandios, nur die Dialoge sind nicht so gut. Das mag auch Walter Jens gespürt haben und hat deshalb diese Texte geschrieben".

Texte von Walter Jens

Es sind Texte, in denen Rocco, der Kerkermeister, auf sein kleinbürgerliches Leben zurück blickt und schuldbewusst die Geschichte vom Staatsfeind Florestan erzählt, den er fast ans Messer geliefert hätte, und von seiner Tochter, die sich in Fidelio verliebt. Fidelio aber ist die als Mann verkleidete Leonore, die Florestan, ihren Geliebten, aus dem Kerker retten will. In letzter Minute wendet sich alles zum Guten.

Effektvoll im Vortrag

Konzertant heißt: "Oper pur", nur mit Gesangssolisten, Orchester, Chor und eben Maximilian Schell auf der Bühne. Er trägt die Texte von Walter Jens wortgewaltig und (trotz Textbuch) gestenreich vor oder auch leise und in sich gekehrt. Effektvoll in jedem Detail, charismatisch im Auftritt und doch bescheiden, wenn er sich immer wieder auf das für ihn vorgesehene kleine Podest setzt.

Oper pur

Ein schönes Zusammenspiel zwischen Maximilian Schell, Solisten und Musikern unter der Leitung von Markus Poschner. Akustisch manchmal ein wenig schriller als gewohnt, was wohl am ungewohnten Standort des Orchesters auf der Bühne und der damit verbundenen Akustik lag. Und gewiss hätte ein solcher Abend ohne Partituren in SängerInnen-Händen vollkommener gewirkt.

Gelungenes Experiment

Maximilian Schell sorgte an zwei Abenden für ein ausverkauftes Haus. Jubel und Beifall nach der konzertanten Aufführung galten nicht nur ihm, sondern allen Akteuren auf der Bühne. Das für Bremen neue Experiment ist beim Publikum angekommen und findet eine Fortsetzung in Richard Wagners "Der fliegende Holländer" als Open-Air-Spektakel auf der neuen Bremer Seebühne an der Waterfront. Große Oper auf einer 40X20 Meter großen, schwimmenden Bühne und 2700 Zuschauer auf der überdachten Tribüne.

(Christiane Schwalbe)