Theater Bremen
Theaterkritik


"Aida"

Giuseppe Verdi
Oper in vier Akten

Libretto:
Antonio Ghislanzoni


Bild der Aufführung Aida, von Verdi auf der Seebuehne Waterfront Bremen, Kultur, Freizeit in Bremen

INSZENIERUNG:
Hans-Joachim Frey
MUSIKAL. LEITUNG:
Daniel Montané
CHOR:
Tarmo Vaask

CHOREOGRAPHIE:
Urs Dietrich
AUSSTATTUNG:
Monika Gora

Bild der Gastronomie Aida von Verdi auf der Seebuehne Waterfront Bremen, Kultur, Freizeit in Bremen
DAUER:
3 Stunden, 1 Pause

2009 sehr erfolgreich:
knapp 30.000 Besucher

2008 Start Seebühne:
Der fliegende Holländer







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"Aida"

Konzertante Aufführung der Oper von Giuseppe Verdi
in italienischer Sprache

Rechtzeitig zum Triumphmarsch geht hinter der Seebühne blutrot die Sonne unter – theatralischer kann die Kulisse für "Aida" an der Waterfront kaum sein. Das Publikum belohnt die Akteure des sehenswerten Opernspektakels mit begeistertem Fähnchenschwingen (zum Triumphmarsch) und mit nachhaltigem, jubelndem Applaus zum Abschluss.

Event mit Sekt und Häppchen

Verdis AIDA hat alles, was "ankommt" beim Publikum: populäre Arien und Duette, effektvolle Chornummern, emotionale Musik und eine dramatische Liebesgeschichte vor dem Hintergrund politischer Ränkespiele.
Hinzu kommt der Event-Charakter auf dem Veranstaltungsgelände: Sekt, Wein und Champagner, dazu leckere Häppchen. In den hübschen weißen Zelten wird viel Kulinarisches geboten.

Kreuzendes Nilschiff

Aber das würde wenig nützen, gäbe es nicht auch eine sehenswerte Aufführung. Das Libretto wurde von Antonio Ghislanzoni verfaßt, nach einem Szenarium des Ägyptologen Auguste Mariette Bey. Neben den stimmgewaltigen Sängern und Sängerinnen sind es vor allem die von Tarmo Vaask einstudierten, großartigen Chornummern und die von Urs Dietrich kunstvoll choreografierten Tanzszenen, die besonders beeindrucken. Orchester und Sängerstimmen sind akustisch verstärkt, was ersterem nicht immer gut tut, den Sängern aber zusätzliche Kraft und Intensität verleiht.
Die Seebühne erstrahlt vor der Pause in natürlichem Sonnenlicht (s.o.) und ist danach in grünes und strahlend blaues Scheinwerferlicht getaucht. Zwei Segelboote kreuzen unablässig hinter der transparenten Rückwand und auch Hal Övers Oceana gesellt sich dazu – hier will man wohl dem Versprechen "Die Weser wird zum Nil" Nachdruck verleihen und hat den Ausflugsdampfer als Nil-Kreuzfahrtschiff in die Kulisse geschoben.

Tragische Liebesgeschichte

In AIDA geht es um die Liebe zwischen dem siegreichen Feldherrn Radamés, der für den ägyptischen Pharao Krieg führt, und einer äthiopischen Prinzessin, die nach Ägypten verschleppt wurde. Ihre Rivalin ist die Tochter des Pharaos, die dem Feldherrn bereits versprochen ist. Diesem wird eines Tages Hochverrat zur Last gelegt. Die beiden Liebenden finden erst im Tod zueinander – gemeinsam werden sie in einer Gruft lebendig eingemauert.
Die Oper war ein Auftrag des ägyptischen Vizekönigs an Giuseppe Verdi und sollte die Festlichkeiten zur Eröffnung des Suezkanals 1869 krönen, wurde aber erst zwei Jahre später uraufgeführt.

Szenische Arrangements

Eine konzertante Aufführung muss mit einem Minimum an Kulisse und Kostümen auskommen. Bei AIDA entschied man sich für helle hölzerne Quader, die ständig hin und her getragen, zu Türmen, Treppen und Pyramiden gestapelt werden, dazu weiße Stäbe, die abwechselnd als Waffen, Gitterstäbe oder Geländer dienen. Das wirkt bisweilen allerdings unfreiwillig komisch. Die Frauen treten in wallenden Kleidern, die Herren dagegen in modernen Anzügen auf.
Übrigens hätte man die beiden – pardon – mickrigen Palmen rechts und links der Bühne ruhig weglassen können. Die natürliche Kulisse der alten Hafenreviere ist allemal wirkungsvoller für dieses spektakuläre Opernereignis.

(Christiane Schwalbe)