Circus Quantenschaum
Concordia Bremen
"Yes - alles kehrt wieder"


..auch Circus Quantenschaum
ab April 2009

KONZEPTION:
Renate Heitmann
(shakespeare company)

REGIE:
Peter Lüchinger

KOMPOSITION:
Willy Daum (Div. Instrumente/ Spinett)

MITWIRKENDE:
Kalamandalam Unikrishnan Nair und Sadanam Krishnadasan (Kathakali-Tanz)

Julia und Ele Janke (Trapez)

Gilles Welinski
(Tanz)

Stefan Sing (Jonglage)

Franziska Mencz (Schauspielerin)

Pauline Boeykens (Tuba)

Jana Mishenina (Violine, Stimme)

Martin Kratzsch (Klarinetten)


Circus Quantenschaum

"Yes - alles kehrt wieder"


Quantenschaum ist ein Phänomen in der Physik, über das Wissenschaftler sich die Köpfe zerbrechen: Zeit und Raum verschwimmen, es gibt weder Materie, noch Anfang oder Ende, nur eine abstrakte Struktur aus Raum und Zeit.
Schwer vorstellbar und für Renate Heitmann von der Bremer Shakespeare-Company gerade deshalb reizvoll: Quantenphysik und Artistik wollte sie verbinden. Das geschah zum ersten Mal 2005 als Bremen "Stadt der Wissenschaft" war.

Hoffnungsloser Kampf

Eigentlich wissen wir es längst: Schmutz ist nicht zu vertreiben, er kommt wieder, staubig, dreckig, schmierig, bröckelnd, blätternd oder bröselnd, in nahezu unendlichen Formen und Konsistenzen. Dagegen anzukämpfen ist der reine Irrsinn, denn dieser Kampf um Sauberkeit und Ordnung ist nicht zu gewinnen. Also sagen wir lieber "Yes - alles kehrt wieder."

Dreck in der Tiefe

Das tut auch der Circus Quantenschaum. "Yes" ist sein zweites Projekt in der Concordia. Artisten, Tänzer, Jongleure und Schauspieler geben der Un-Ordnung und dem Chaos ein Gesicht, allen voran Rosi, die reimende und philosophierende Putzfrau, die das Publikum in Blümchenkleid und Kittelschürze aufklärt:
"Es heißt, ich sei die beste Putzfrau hier. Doch Reinheit ist bekanntlich Illusion. Wir Putzfrauen wissen, der wahre Dreck steckt in der Tiefe. Man kriegt ihn niemals weg. Ihn zu verbergen, hat doch keinen Zweck."

Assoziationen sind gefragt

Circus Quantenschaum präsentiert uns weder einen klassischen Theaterabend noch eine echte Zirkusvorstellung. Es ist eine wahrhaft bunt inszenierte Mischung, für die die Band "Charming Quarks" schönste Töne, Geräusche und Musik liefert und in der Assoziationen und Fantasie des Zuschauers gefragt sind.
Rosi rückt dem Schmutz mit einem überdimensionalen dreiarmigen Besen zu Leibe, der Clown schert sich nicht um Sauberkeit und wirft mit Erdnüssen um sich. Als ein Staubsaugerbeutel platzt, regnet es Ping-Pong-Bälle, mit Abfallsäcken wird gleich dutzendweise geworfen und eine nach Schmutz geifernde Mülltonne leuchtet die Bühne mit Suchscheinwerfern aus.

Prinzip Chaos

Ohne Chaos keine Ordnung und umgekehrt - diesem Prinzip ordnen sich die Artistinnen mit ihrer ebenso perfekten wie waghalsigen Trapeznummer unter, zwei indische Kathakali-Tänzer steuern in einer expressiven Performance Tod, Blut und Eingeweide bei, und der Jongleur verzaubert das Publikum mit einem perfekten Zusammenspiel seiner magischen Bälle. Putzfrau Rosi verbindet das Ganze mit Texten und Wortspielen, in denen der Schmutz in all seinen ekligen Varianten zumindest verbal ans Licht befördert wird.

Saubere Lösung

Einen wirklichen roten Faden in den künstlerisch, tänzerisch und artistisch sehr ambitionierten Szenen findet der Zuschauer nicht, er muss sich an seinen eigenen Gedanken und Überlegungen entlang hangeln oder das krampfhafte Suchen nach einer übergeordneten Struktur ganz einfach aufgeben. Das wäre die sauberste Lösung.

( Christiane Schwalbe )