Filmtipp

"Der Baader-Meinhof-
Komplex"

REGIE: Uli Edel


Deutschland 2008

DARSTELLER:
Moritz Bleibtreu
Martina Gedeck
Johanna Wikolak


Als Buch:

Der Baader-Meinhof-Komplex, Buchumschlag Stefan Aust
"Der Baader-Meinhof-
Komplex"
Goldmann Verlag 2008
10.00 Euro


"Der-Baader-Meinhof-Komplex"

Die Vermarktung ist komplett: das Buch, der Film, bald das Hörbuch, demnächst der Fernsehfilm. Der "Baader-Meinhof-Komplex" sorgt für Furore und füllt Kassen. Ganz kapitalistisch und durchaus in Hollywood-Manier, denn der Film von Bernd Eichinger und Uli Edel über den Terror der Rote Armee Fraktion RAF, gedreht nach dem 900-Seiten-Buch von Ex-Spiegel-Chefredakteur Stefan Aust, ist ein spektakulärer, knallharter Actionfilm.

Teuerster deutscher Film

Da wird gebombt und geballert, es fließt reichlich Blut und jede Menge Sprengstoff explodiert. Die Dialoge bleiben sparsam, Theorie ist nicht so wichtig, Hauptsache es wird gekämpft - gegen den internationalen Imperialismus, gegen den Vietnamkrieg, gegen die Staatsgewalt, gegen alte Nazis und neue Kapitalisten.
Die Schauspieler zählen zur Elite des deutschen Films. Die Aufarbeitung von zehn Jahren westdeutscher Nachkriegsgeschichte hat ihren Preis: "Der Baader-Meinhof-Komplex" ist der teuerste deutsche Film aller Zeiten.

Heißer Herbst

Er beginnt 1967, mit dem Besuch des Schahs in Berlin: prügelnde Jubelperser, Polizisten, die ausrasten und eine sich brutal aufschaukelnde Demonstration von Studenten, an deren Ende es einen Toten gibt, Benno Ohnesorg.
1977, im heißen Herbst Deutschlands, endet der Film. Der damalige Bundeskanzler Schmidt entscheidet: Der Staat ist nicht erpressbar. Die Landshut-Maschine wird befreit, die Terroristen in Stammheim nehmen sich das Leben.

Schlag auf Schlag

Hier wird nicht viel geredet und nicht lange gefackelt, die Ereignisse folgen Schlag auf Schlag, wie ein Flash dem anderen. Die Charaktere von Ulrike Meinhof, Gudrun Ensslin, Andreas Baader und Holger Meins werden dabei erschreckend lebendig - ein Verdienst der außerordentlichen schauspielerischen Leistung ihrer Darstellung.
Die Zuschauer erleben Fanatismus und Verbohrtheit, Widerstand und Protest, kriminelle Handlungen, Hungerstreik, Zwangsernährung und Isolationshaft - der Film lässt nichts aus und setzt auf Schockeffekte. Nichts für empfindsame Gemüter.

Wieder erkennbar

Mit einem enormen Tempo werden Bilder umsetzt und neu verknüpft, die alle (wieder)erkennen: RAF-Fahndungsplakate, das Video des entführten Hanns-Martin Schleyer, Jubelperser vor der Deutschen Oper in Berlin, verwüstete Stützpunkte der US-Army, die "Landshut" in Mogadischu, Ho Chi Minh skandierende Studenten im Audimax der FU Berlin, das Attentat auf Rudi Dutschke, Fotos von Tatorten, die durch die Medien gingen, das Bild des toten Holger Meins, der Hochsicherheitstrakt in Stammheim.

Wucht der Bilder

Der packende Film setzt auf die Wucht der Bilder. Hier wird weder geschönt noch glorifiziert. Im Mittelpunkt stehen weniger die (politischen) Motive oder die Psychologie der Täter, sondern schonungslose Realität: Deutschland im Herbst.
Historische Genauigkeit im Detail geht dabei unter. Das macht den Film angreifbar, aber nicht weniger authentisch.