Filmtipp

"Finnischer Tango"
Spielfilm

REGIE:
Buket Alakus


Deutschland 2008

DARSTELLER:
Christoph Bach
Mira Bartuschek
Fabian Busch
Nele Winkler
Michael Schumacher

PRODUKTION:
Eike Besuden,
in Koproduktion mit dem NDR

Finnischer Tango, Kinofilm Filmtipps Bremen, Behinderte und Nomalos
"Finnischer Tango" wurde auf dem Ludwigshafener Festival des Deutschen Films mit dem Publikumspreis ausgezeichnet.

"Finnischer Tango"

Finnischen Tango gibt es wirklich - er klingt etwas trauriger als der argentinische Tango und wird tatsächlich vorwiegend in Finnland und Skandinavien gespielt. Alex beherrscht zwar den finnischen Tango und das Akkordeonspiel, sonst aber ist er ein ziemlicher Looser: als Musiker, als Freund, als Mensch.

Selbstmord mit Auto

Alex spielt in einer mittelmäßigen Tango-Band. Eines Abends klauen die drei Musiker den Bus einer Hardrock-Truppe. Der Freund am Lenkrad ist depressiv und steuert den Wagen bewusst in einen tödlichen Unfall, Selbstmord. Die zwei anderen überleben. Aber Alex schert er sich einen Dreck um beide Freunde und haut einfach ab.

Job mit einem Handicap

Kein Geld, keine Arbeit, keine Freunde, alles in allem nur miese Perspektiven. Das Arbeitsamt bietet ihm einen Job an - er müsste allerdings ein Hanidcap haben. Kein Problem für Alex. Er klaut einem Rollstuhlfahrer den Behindertenausweis und schleicht sich in eine Wohngemeinschaft ein, in der Behinderte zusammen leben und Theater spielen. Alex mimt einen Epileptiker, und das tut er überzeugend. Jetzt hat er Job und Bleibe und kann überlegen, wie er die beklauten Rocker zufrieden stellt.

Falsches Spiel

Menschen mit Handicaps stehen im Mittelpunkt der Geschichte, "besondere Schauspieler" nennt sie Produzent Eike Besuden, der schon mit "Verrückt nach Paris" ein außergewöhnliches Gespür für ihre Darstellungskraft bewiesen hat. Mit faszinierender Natürlichkeit und Fröhlichkeit nehmen sie Alex auf, arglos und ohne Berührungsängste akzeptieren sie ihn als einen der ihren. Nur einer wittert das falsche Spiel, der an MS erkrankte Rudolph.

Ohne Gewissensbisse

Alex treibt sein mieses Spiel weiter, verkauft ohne Gewissensbisse den neuen Rollstuhl von Clark und ignoriert auch sonst die Probleme und Bedürfnisse seiner Wohngenossen. Das funktioniert aber nur kurze Zeit. Vor allem der am Down Syndrom leidenden Marilyn und ihrer unerschütterliche Absicht, endlich Sex zu haben, kann er sich nicht entziehen. Sie verspricht ihm schließlich Geld, wenn er ihr zu einschlägigen Kenntnissen bei einem Callboy verhilft.

Respekt vor dem Anderssein

Ganz langsam passiert etwas mit Alex, und das ist die eigentliche Geschichte. Der emotional verkümmerte und sozial gänzlich ungeübte Alex lernt im Umgang mit den Behinderten, sich menschlich anständiger zu verhalten, Anteil zu nehmen und Respekt vor dem Anderssein zu haben. So liefert uns die vielfach ausgezeichnete türkische Regisseurin und Grimme-Preisträgerin Buket Alakus, die in Istanbul geboren und in Hamburg aufgewachsen ist, zum Schluss eine Art versöhnliches Happy-End in dieser verrückten Geschichte eines tragischen Helden.

"Normalos" und Behinderte

Finnischer Tango, in Bremen gedreht, ist eine durchaus schwarze Komödie, die tragikomisch, witzig, auch boshaft und melodramatisch Geschichten von Normalen und und Behinderten erzählt. Die Botschaft: Menschen mit Handicap sind eigentlich auch ganz normal: humorvoll, sinnlich, liebenswert und herzlich. Und selbst ein emotional verkümmerter Typ wie Alex findet (mit ihrer Hilfe) zu sich selbst, weil ihm mit Zuneigung und Wärme begegnet wird.