Filmtipp

Julia

REGIE:
Erick Zonca


Frankreich 2007

DARSTELLER:
Tilda Swinton
Kate del Castillo
Aidan Gould (Tom)

"Julia"

In diesem Film geht es vor allem um eine Frau: Tilda Swinton, die in nahezu genialer Weise eine durchgeknallte Alkoholikerin in Los Angeles spielt. Drumherum sind mindestens drei Geschichten erzählt, in denen sich die Geschehnisse überschlagen. Ein spannender Film, der unangenehm an den Nerven zerrt und viel Geduld und Durchhaltevermögen vom Zuschauer fordert.

Alles ist Glückssache

Tilda Swinton ist der Star, um den dieser Film inszeniert ist. Sie spielt eine Alkoholikerin Mitte vierzig, mit Schmuck behängt, in Glitzerkleidchen und High Heels, exzentrisch, laut, ordinär und unkontrolliert. Ihr Leben gleicht einem Tanz auf dem Drahtseil: Alles ist Glücksache, Hauptsache, der Wodka geht nicht aus.

Verhängnisvolle Begegnung

Ein Freund schickt sie zu den Anonymen Alkoholikern. Das ist ihr Verhängnis. Denn dort trifft sie eine nicht minder durchgeknallte Frau, die sie überredet, ihr bei der Entführung ihres Sohnes zu helfen, gegen einen Batzen Geld natürlich.

Ein Millionending

Julia ist nicht nur Alkoholikerin, ihr fehlt auch jedes Gefühl. Rücksichtslosigkeit ist ihr Prinzip. Also beschließt sie, das Ding allein zu drehen und den Sohn auf eigene Faust zu kidnappen. Der achtjährige Tom lebt bei seinem schwerreichen Großvater, da müsste doch 'ne Million drin sein.

Gehetzt und eiskalt

Es beginnt ein Road Movie, bei dem sich die Ereignisse überschlagen. Julia ist nicht gerade zimperlich im Umgang mit Menschen, die ihr im Wege stehen. Kinderlieb ist sie auch nicht. Den kleinen Jungen behandelt sie eiskalt und unerträglich brutal. Irgendwann läuft ihr Deal aus dem Ruder, sie trinkt immer dann zu viel, wenn es darauf ankommt, auf der Hut zu sein. Aus der Kidnapperin wird eine Gehetzte, aus dem Millionending ein Psychodrama.

Überfrachtet und zu lang

Julia knallt mit dem Auto durch die Mauer zwischen Kalifornien und Mexiko, der Junge wird von brutalen Gangstern ein zweites Mal entführt, Julia kämpft um Tom. Die Muttergeschichte ist künstlich, die Typen sind überzeichnet, der Film jagt hektisch hin und her. Schade. Denn die Swinton selbst, gern "Ikone des britischen Kinos" genannt, ist einfach fabelhaft.