Filmtipp

Ben X

REGIE:
Nic Balthazar



Belgien/ Niederlande 2007

DARSTELLER:
Greg Timmermans
Laura Verlinden
Philip Bosco
Marijke Pinoy

"Ben X"

Ben ist ein Außenseiter. Er leidet unter dem Aspergersyndrom, einer abgeschwächten Form des Autismus. In seiner Umwelt findet er sich leidlich zurecht, geht in die normale Schule, bekommt gute Noten, bleibt aber ein in sich gekehrter Sonderling, der von den Mitschülern bis aufs Blut schikaniert wird.

Stummes Leid

Er kann sich nicht wehren, leidet stumm, bekommt aggressive Ausbrüche, die er nicht steuern kann. Nur zu Hause, in seinem Zimmer vor dem PC fühlt er sich sicher, vertieft sich in das Computerspiel "Archlord". Da ist er der starke Ritter "Ben X", kann kämpfen und siegen und all' das tun, wozu er im wirklichen Leben nicht fähig ist. In der virtuellen Welt ist er Held, nicht Opfer, hier wartet eine Freundin auf ihn, seine Begleiterin durch alle Schwierigkeiten des Lebens.

Virtuelles Endgame

Zwei Mitschüler treiben die Demütigungen eines Tages so weit, dass er seinem Leben ein Ende setzen und sich vor einen fahrenden Zug stürzen will. Da wird seine virtuelle Freundin plötzlich real und überredet ihn zum Endgame: Man verschwindet nicht einfach, man spielt ein letztes wirkungsvolles Spiel, auch, um sich zu rächen.

Unerträgliche Intoleranz

Eine Wende im doppelten Sinn, denn jetzt gewinnt der Film eine neue, leichtere Qualität. Die Szenen, in denen eine johlende Schülerschar Ben demütigt und quält, gehen an die Schmerzgrenze. Die Brutalität der Halbwüchsigen ist gnadenlos. Da dokumentiert der Film eine nahezu unerträgliche Intoleranz gegenüber einem Menschen, der "anders" ist, schwächer und in seiner Sprachlosigkeit hilflos.

Drinnen und "draußen"

Als Zuschauer leben wir sozusagen "im Kopf" Bens, der die Umwelt gedanklich verbalisiert, in Frage stellt, kritisch beurteilt, sich selbst und seine fehlende "Normalität" genau beurteilen kann und immer wieder abtaucht in die Welt des virtuellen Spiels.
Ben ist nicht debil oder dumm, ganz im Gegenteil, er ist hochintelligent. Aber er kann Gefühle nicht ausdrücken, erträgt keine Berührungen und fühlt sich sicher und geborgen nur in seiner eigenen Welt, die ihm "draußen" Tag für Tag verloren geht.
Ein sensibler, spannender, über lange Strecken unerträglich genauer Film, der viele Botschaften vermitteln will: über soziale Inkompetenz, Intoleranz, Ausgrenzung, Flucht in Computerspiele, Jugendgewalt.

Wechsel der Welten

Was ist echt, was ist virtuell? Der Film zappt zwischen Realität und Internet hin und her, verwischt die Grenzen, beleuchtet Bens Probleme aus der Sicht der Eltern, Lehrer und Ärzte und endet mit einer Überraschung, die mit mancher Brutalität versöhnt.