Filmtipp

Tödliche Entscheidung

REGIE:
Sidney Lumet



USA 2007

DARSTELLER:
Philip Seymor Hoffman
Ethan Hawke
Albert Finney
Marisa Tomei

"Tödliche Entscheidung"

Lobeshymnen überall: ein Meisterwerk, Spannung pur, Kino der Spitzenklasse. "Tödliche Entscheidung", der neue Film von Altmeister Sidney Lumet wird über die Maßen gepriesen. Gewiss, es ist ein guter Film, eine raffiniert erzählte Geschichte vom Bösen im Menschen und von der Qual familiärer Prägungen. Aber Geduld braucht der Zuschauer auch.

Unterschiedliche Perspektiven

Der Film beginnt quälend langsam. Wir erleben einen Raubüberfall irgendwo in Amerika, der mit zwei Toten endet. Das war nicht geplant, ursprünglich ging es allein um ein gutes Geschäft mit üppiger Beute aus einem Juwelierladen. Ein Mann sitzt im Fluchtauto, ein anderer wartet in irgendeinem Büro. Mit geschickt ineinander verflochtenen Rückblicken wird aus unterschiedlichen Perspektiven der Hintergrund des Verbrechens geschildert.

Zwei Brüder gegen die eigenen Eltern

Die zwei Männer sind Brüder: Hank und Andrew Hanson haben den Raub gemeinsam geplant, beide brauchen dringend Geld. Das Juweliergeschäft gehört ihren Eltern. Hank muss seiner geschiedenen Frau Unterhalt für die gemeinsame Tochter zahlen und Andrew liebt den großen Stil des erfolgreichen Managers, inklusive teurer Drogendienste. Hank hat sich nicht getraut, den Bruch allein zu machen und einen geldgierigen kleinen Gangster angeheuert. Ein Fehler, wie sich zu spät herausstellt, denn dessen Pistole kam nicht aus dem Spielzeugladen. Im Geschäft verblutet eine Frau.

Suche nach Liebe

Jetzt bekommt der Film Tempo. Wir erleben die Brüder, die beide auf ihre Weise ausflippen, als sie erfahren, dass im Geschäft ihre eigene Mutter stand. Andrew ist ein durchschnittlicher Geschäftsmann auf der vergeblichen Suche nach Erfolg und Liebe, dessen Ehe zerbricht. Hank ist ein lebensuntüchtiger Versager, der nichts auf die Reihe kriegt. Seine Tochter und seine geschiedene Frau verachten ihn.

Netz aus Lebenslügen

Beide stecken tief in einem Wust widersprüchlicher Gefühle und in einem Netz aus Lebenslügen und falschen Hoffnungen, die uns Stück für Stück vorgeführt werden und ihren Ursprung in der Kindheit haben, bei einem Vater, der seine Zuneigung ungerecht verteilt hat. Ein Familiendrama in Fortsetzungen.

Teufelskreis aus Schuld und Angst

Und eine Tragödie. Das Böse nimmt kein Ende, die Figuren bewegen sich wie Marionetten in einem Teufelskreis aus Hass, Schuld, Angst und Verrat, den nur der Tod durchbricht. Ein vielschichtiger Thriller, der psychische Abgründe aufzeigt und vielfältige Interpretationen zulässt, fesselnd gespielt von Philip Seymor Hoffman, Ethan Hawke, Albert Finney, Marisa Tomei.