Filmtipp

Absurdistan


REGIE:
Veit Helmer
Deutschland 2007


"Absurdistan"

Regie: Veit Helmer

Für diesen Film muss man eine Vorliebe für schräge Geschichten haben. In "Absurdistan" erzählt Veit Helmer in grotesker Weise eine märchenhafte Geschichte aus einem Dorf, in dem Frauen und Männer einen erbitterten Kampf um die Macht führen. Es ist ein Film, der sich herkömmlichen ästhetischen Vorstellungen entzieht.

Wasser marsch!

Es geht um Wasser, das aus einer unterirdischen Quelle nach oben befördert werden muss. Ein Trupp mutiger Männer baut in einem Dorf irgendwo im Niemandsland zwischen Europa und Asien ein System aus Röhren. Das Wasser fließt zwar, aber die Männer bezahlen ihre gute Tat mit dem Leben. Fortan wird niemand die Unterwelt je wieder betreten.

Horoskop für die erste Nacht

Mit den Jahren wird das Rohrsystem marode, das Wasser tröpfelt nur noch, bis es ganz versiegt. Und die Männer? Scheren sich einen Dreck um die Reparatur. Dann gibt’s eben kein Wasser. Aber auch keinen Sex, beschließen die Frauen und entziehen sich den elementaren Bedürfnissen ihrer Männer. Das führt zu allerlei absurden und grotesken Szenen. Die jungen Männer verlassen das Dorf. Auch Temelko geht, aber er kommt als einziger nach vier Jahren zurück, um sich auf die erste Liebesnacht mit Aya vorzubereiten. Für dieses sehnlichst erwartete Ereignis ist von der Großmutter eine besondere Sternenkonstellation prophezeit worden.

Rettende Fontäne

Doch vor dem Sex ist ein Bad vorgeschrieben. Und weil Aya die fantasievollen Wassertricks des Geliebten als Egoismus ablehnt, muss Temelko in die Unterwelt hinabsteigen. Nach waghalsigen Manövern unter der Erde sorgt er für wahre Wasserfontänen. Die Welt in Absurdistan ist wieder in Ordnung.

Drehort Aserbeidschan

In diesem Film spielen Darsteller aus 16 Ländern, allein das Casting soll zwei Jahre gedauert haben. Der verrückten Geschichte soll eine wahre Begebenheit zugrunde liegen, die den Regisseur zu diesem ungewöhnlichen Film inspiriert hat. In diesem staubigen Ort am Ende der Welt, den Veit Helmer nach langer Suche in Aserbeidschan gefunden hat, sind ein paar vertrottelte Männer dem störrischen Widerstand ihrer Frauen ausgeliefert gewesen.

Archaisch und handgemacht

Hier geht buchstäblich alles drunter und drüber. Die Gesetze der Logik sind außer Kraft, die Dialoge beschränken sich auf ein Minimum. Die skurille Geschichte wird von den archaisch und eher handgemacht anmutenden Bildern und einer jungen Voice over erzählt: sehr naiv, manchmal komisch, bisweilen poetisch, oft überspitzt und und alles in allem sehr gewöhnungsbedürftig.