Filmtipp

Kirschblüten - Hanami


REGIE:
Doris Dörrie
Deutschland 2007
127 Minuten

DARSTELLER:
Elmar Wepper
Hannelore Elsner
Nadja Uhl
Aya Irizuki u.a.

Bayerische FILMPREISE:
"Produzentenpreis"
und
"Bester Darsteller"

"Kirschblüten - Hanami"

Regie: Doris Dörrie

"Mein Mann mag keine Abenteuer" lautet Trudis knappe Antwort auf die Vorschläge der Ärzte, die ihrem Mann verbleibende Lebenszeit vielleicht mit einer besonderen Reise zu nutzen. Rudi ist todkrank, aber Trudi verkneift sich die Tränen, schweigt tapfer und überredet ihren Mann, wenigstens Kinder und Enkelkinder in Berlin zu besuchen.

Ein Berg wie jeder andere

Die sind vor allem mit sich selbst beschäftigt, also reisen Rudi und Trudi weiter an die Ostsee. Dabei würde Trudi viel lieber nach Japan fliegen, den Fujiyama bewundern und ihren dort lebenden Sohn besuchen. "Aber der Fuji", sagt Rudi, "ist doch auch nur ein Berg wie jeder andere. "
Macht des Schicksals: Trudi stirbt über Nacht, völlig unerwartet. Rudi bleibt hilflos, traurig und verzweifelt zurück, weiß mit sich und dem Leben nichts mehr anzufangen. Bis er noch einmal aufbricht und in seiner Trauerarbeit Trudis Träumen folgt: Japan, der Fuji, die Kirschblüte, der Schattentanz Butoh. Er entdeckt die geheimen Sehnsüchte seiner Frau und reist ihnen nach, Trudis Kleider im Koffer.

Der alte Mann und das Mädchen

Dem Sohn in Tokio nicht wirklich willkommen, zieht Rudi auf eigene Faust los. Er begegnet einem jungen Mädchen, das seine Mutter verloren hat. Rudi und Yu, zwei verlassene Menschen, werden Freunde in der Fremde. Der alte Mann und das Mädchen von der Straße, das im Zelt schläft und unter blühenden Kirschblüten einsame Tänze vollführt, reisen gemeinsam zum vom Nebel verhangenen Fuji, der sich nach zwei Tagen in seiner magischen Schönheit zeigt. In den Kleidern seiner Frau erfüllt Rudi stellvertretend ihren Traum und ist ihr noch einmal ganz nahe.

Mitten ins Herz

Ein Film, der mitten ins Herz trifft, weil er liebevoll und behutsam, ohne in Kitsch und falsche Sentimentalität abzugleiten, vom Leben und vom Tod erzählt. Die traurige Liebesgeschichte endet versöhnlich und mahnt, achtsam mit dem Leben und den Träumen umzugehen. Es ist ein Film schöner und subtiler Bilder, mit denen uns Doris Dörrie auch teilhaben lässt an alten Traditionen, die dem rasanten wirtschaftlichen Tempo Japans und der wachsenden sozialen Kälte Einhalt gebieten.

Symbol der Vergänglichkeit

Neben Hannelore Elsner ist es vor allem Elmar Wepper, der diesen Film zu einem bewegenden Kinoerlebnis macht. Ob Trauer, Schmerz, Leid , Freude, Angst oder Verzweiflung: er ist echt und wahrhaftig in der Darstellung der Gefühle. Selbst in Frauenkleidern und mit einem alten Tirolerhütchen auf dem Kopf, das ihn unfehlbar und überall als Fremden ausweist, bleibt er authentisch.
Kirschblüten, die nur wenige Tage ihre weiße, üppige Pracht entfalten, sind in Japan ein Symbol der Vergänglichkeit und ein Grund zum Feiern. Also lernen wir mit diesem Film, den Blick für das Wesentliche nicht zu verlieren und das Glück des Augenblicks zu genießen.