Filmtipp

Leergut


REGIE:
Jan Sverák,
DREHBUCH:
Zdenek Sverák
(Tschechien 2007)

"Leergut"

Regie: Jan Sverák

"Leergut", ein heiter - melancholischer Film über das Altwerden, ist der letzte Film in einer Trilogie der Lebensalter. In „Volksschule“ ging es um Kindheit und Jugend, in „Kolya“ um das Erwachsenwerden. Dieser Film bekam 1996 einen Oskar. Jan Sverak führte jeweils Regie, sein Vater schrieb die Drehbücher.

Vom Lehrer zum Fahrradkurier

Beppo ist Lehrer und 65 Jahre alt. Als er merkt, dass seine Schüler ihn nicht mehr verstehen, schmeißt er den Job. Zuhause bei seiner Frau langweilt er sich, also sucht er nach einer Beschäftigung, zunächst als Fahrradkurier. Als er mit dem Rad buchstäblich auf die Schnauze fällt, sieht er schweren Herzens ein, dass er dafür wohl doch schon zu alt ist.

Menschlichkeit und Träume

Job Nr. 2: Die Leergutannahme in einem Supermarkt. Hier findet er eine Aufgabe, die seiner wahren Berufung entspricht. Hier kann er mit Menschen reden, ihnen zuhören und Mut machen, mit ihnen lachen, sie (inklusive seiner eigenen Tochter) verkuppeln, trösten oder selbst ein bisschen flirten. Zwischen all den Kisten und Flaschen bleibt Zeit genug für erotische Träume von Frauen in roten Miedern und spitzenbesetzten Strapsen. Seine eigene Frau interessiert ihn weniger, sie sitzt frustriert zuhause und holt sich männliche Anerkennung von einem in die Jahre gekommenen Nachhilfeschüler, der sie abgöttisch verehrt.

Herzenswunsch

Zum 40. Hochzeitstag denkt sich Beppo etwas ganz besonderes aus - für seine Frau angeblich. Eigentlich aber ist es sein eigener Herzenswunsch: eine Ballonfahrt. Die endet in einem echten Abenteuer, in wiederbelebten Gefühlen und einer Entdeckung: seine Frau raucht, "weil ich vor Dir sterben will".

Leise und bedächtig

Regisseur Jan Sverák, der Sohn von Hauptdarsteller Zdenek Sverák, erzählt Beppos Geschichte leise, ruhig und bedächtig, mit viel Witz und Humor. Er schildert langsam und behutsam, aber immer mit einem ironischen Augenzwinkern, wie Menschen lernen, sich nicht aufs Altenteil abschieben zu lassen und wie eine erschlaffte Ehe wiederbelebt werden kann.
Jede Figur in diesem Film hat ihr eigenes, individuelles Gesicht und steht doch für einen ganz typischen menschlichen Charakterzug im beschwerlichen Prozess des Alterns.

Publikumspreise

Ein schöner, melancholischer Film mit tragikomischen Zügen, bei dem man nicht immer genau weiß, ob man lieber weinen oder lachen soll. Wir begegnen authentischen Figuren, die nicht überzeichnet sind, sondern jedem von uns täglich begegnen könnten. Nicht umsonst hat „Leergut“, der als erfolgreichster tschechischer Film aller Zeiten gelobt wird, gleich drei Publikumspreise bekommen: in Karlsbad, Hamburg und Cottbus. Es ist eben ein Film zum Wiedererkennen, wenn man die 50 erreicht hat.