Filmtipp

Die zweigeteilte Frau


REGIE:
Claude Chabrol
Frankreich 2007


"Die zweigeteilte Frau"

Regie: Claude Chabrol

Seit 1979 hat Claude Chabrol fast jedes Jahr einen neuen Film gedreht. Seine Filmographie erzählt von einem unermüdlichen Filmemacher, der auch mit 77 Jahren nicht innehält. Dabei hat er stets den Anspruch erfüllt, intelligente Geschichten zu erzählen, die ästhetisch auf höchstem Niveau liegen. Das gilt auch für "Die zweigeteilte Frau", in der Chabrol eine wahre Begebenheit Anfang des vorletzten Jahrhunderts nacherzählt.

Sexuelle Obsession

Wir begegnen einem erfolgreichen Schriftsteller, der glücklich verheiratet in edlem Ambiente auf dem Land lebt. Seine Verlegerin ist bemüht um Werbung für seinen neuen Roman, also begibt er sich widerwillig in ein Fernsehstudio, um sich den Fragen eines dümmlichen Moderators zu stellen. In der Garderobe begegnet er der blonden, bildhübschen Wetterfee Giselle. Eine Romanze bahnt sich an, daraus eine Affäre, schließlich eine Obsession.

Konkurrenz von Jugend und Reichtum

Nur eine weitere Lolita-Geschichte zu erzählen, ist nicht Chabrols Sache. Der alternde Lebemann bekommt einen jungen Rivalen, ein verwöhntes und neurotisches Muttersöhnchen aus gutbürgerlichem, reichem Hause. Aber Giselle, die ihrer Rolle als unschuldige Kindfrau schnell entwächst, verfällt dem Älteren und gerät in sexuelle Abhängigkeit.

Druck der Vergangenheit

Der Hass des unberechenbaren Millionenerben, der es schließlich doch schafft, Giselle zu erobern und zu heiraten, gipfelt im Mord. Voller Wut und Eifersucht rächt er die Vergangenheit seiner Frau, weil er selbst diese Vergangenheit nicht erträgt.

Bürgerliche Fassade

Chabrol setzt diese Geschichte Szene um Szene kunstvoll wie ein Puzzle zusammen. Er spinnt ein verwirrendes Netz aus Leidenschaften, Intrigen und Eitelkeiten. Er lässt elegante Menschen in makelloser Kulisse agieren, ergänzt den schönen Schein mit Anspielungen, Andeutungen und biografischen Einblicken, bei denen sich seelische Abgründe auftun. Die bürgerliche Fassade hat überall Risse. Dahinter verbergen sich Beziehungslosigkeit, Intrigen, Abhängigkeiten, Macht und Machenschaften.

Zweigeteilte Frau

Chabrols Film ist zugleich kühles, ästhetisch perfekt erzähltes Gesellschaftsdrama und bitterböse Abrechnung mit der französischen Bourgoisie, einem korrupten Justizapparat und der Sensationslust der Medien. Ironisch und pointiert der Schluss: Die einst begehrte junge Schönheit dient ihrem Onkel als Bühnenobjekt in einem uralten Zaubertrick. Perfekte Illusion.