Filmtipp

Der Drachenläufer


REGIE:
Marc Forster
USA 2007

Nach dem gleichnamigen Roman von
Khaled Hosseini

"Der Drachenläufer"

Regie: Marc Forster

Kabul, Mitte der 70er Jahre. Noch ist die Welt Afghanistans halbwegs in Ordnung. Aber es klafft die Schere zwischen arm und reich, gebildet und ungebildet. Und zwischen den Stämmen der Paschtunen und Hazara schwelen die Stammeskonflikte.

Ungleiche Freunde

Amir ist Sohn eines wohlhabenden Paschtunen und eng befreundet mit Hassan, dem Sohn des Hausdieners, einem Hazara, der seit Jahrzehnten zur Familie gehört. Hassan ist daran gewöhnt, sich mutig zur Wehr zu setzen, Amir ist ängstlich und schreibt lieber Geschichten. Die beiden ungleichen Freunde lassen gemeinsam Drachen steigen - ein beliebtes Spiel in Afghanistan.
Um seinem Vater Mut und Stärke zu beweisen, will Amir den alljährlichen Wettkampf der tanzenden Drachen gewinnen, und mit Hassans Hilfe schafft er es. Aber dann läßt Amir den Freund schmählich im Stich, der in die Gewalt paschtunischer Rowdies gerät und von ihnen vergewaltigt wird. Um seine Schuld zu vergessen, treibt er Hassan und seinen Vater aus dem Haus.

Bürgerkrieg und Schreckensherrschaft

Die russische Armee marschiert in Afghanistan ein, Vater und Sohn Amir fliehen. Amir wächst in Kalifornien auf. Zwanzig Jahre später erreicht den inzwischen erfolgreichen Schriftsteller ein Anruf, der ihm die Chance gibt, seine Schuld zu sühnen und sein Gewissen zu befreien. Amir kehrt zurück in die von Bürgerkrieg und ethnischen Konflikten zerstörte Heimat, nicht wissend, was ihn dort wirklich erwartet.
Der Film, gedreht nach dem gleichnamigen Roman von Khaled Hosseini, der 1965 in Kabul geboren wurde und seit 1980 im amerikanischen Exil lebt, erzählt die dramatische Geschichte effektvoll, emotional und in schönen, poetischen Bildern. Aber er malt auch schwarz-weiß, bedient Klischees, ist zugleich anrührend und geht in der Realität einiger Szenen an die Schmerzgrenze. Ebenso dramatisch wie subtil wird die innere und äußere Zerstörung von Menschen gezeigt, die durch ethnische und politische Konflikte zum Hass getrieben werden.

Korruption und Fanatismus

Dabei erfahren wir, wie sehr das korrupte und fanatische Regime der Taliban aus den Menschen willfährige und geschundene Kreaturen gemacht hat. Wer die Macht hat, der handelt in Gottes Auftrag und hat die Scharia auf seiner Seite: angeblich ehebrechende Frauen werden gesteinigt, während Talibankrieger sich ungestraft an kleinen Mädchen und Jungs vergehen dürfen.
Der Film spielt mit den Emotionen seiner Figuren. Das Happy End ist angesichts der Schreckensherrschaft der Taliban in Afghanistan schlicht unglaubwürdig. Dennoch geht dieser Film, allen Kompromissen an den westlichen Geschmack zum Trotz, unter die Haut und transportiert dabei zumindest eine menschliche Botschaft. Eine politische Absicht geht unter.

(Christiane Schwalbe)