
in Wallsaal,
Lesesaal und
1. Stock
Öffnungszeiten:


1117
Wir kennen Pop-, Op-, Food-, Street-, Urban und Modern Art – nun kommt die PET-Art hinzu. Die tschechische Bildhauerin Veronika Richterová experimentiert seit vier Jahren mit PET-Flaschen, diesen vielfarbigen Behältnissen für Säfte, Mineralwasser, Bier und Cola, die es in allen nur möglichen (Flaschen)Formen und Größen gibt.
Die Künstlerin betreibt ein Recycling der besonderen Art, fantasievoll, märchenhaft und verspielt. Bearbeitet werden die Plastikflaschen mit heißer Luft, "sie neigen dazu in ihre ursprüngliche Form eines Reagenzglases zurück zu kehren", erzählt sie bei der Eröffnung.
Dann beginnt ihre künstlerische Arbeit, die viel Geschicklichkeit voraussetzt. Aus den Plastikflaschen formt sie filigrane Libellen und hohe Palmen, stachelige Kakteen, blühende Hyazinthen, zarte Narzissen und Rosen, staksige Spinnen, durchsichtige Fische und Quallen. Mittendrin ein giftgrünes Prachtstück: ein überdimensionaler Büstenhalter.
Es ist eine zarte, überraschende und heitere Kunst, die aus dem eher profanen Ausgangsmaterial wahrhaft fantastische Gebilde formt. "Ohne zu färben oder zu kleben," sagt Richterová, "das funktioniert mit dem Material nicht". Im Lesesaal der Stadtbibliothek hängen große Flughunde, mit Körpern aus importierten braunen Bierflaschen und Flügeln aus grauen Müllbeuteln. Daneben sitzen zwei blaue Affen im Baum.
"Wir wohnen inmitten von Flaschen" erzählt Veronika Richterová, "es sind Tausende", die sie in aller Welt gesammelt hat. 1800 Exemplare hat sie zu einer Ausstellung im tschechischen Nationalmuseum zusammen gestellt. "Es gibt Moden in der Produktion von PET-Flaschen, die sich ändern und den Kriterien moderner Designgestaltung unterliegen." Demnächst soll es ein eigenes Museum geben, um die Geschichte der PET-Flasche zu dokumentieren.
Fotos über besondere Formen des Recyclings durch tschechische Bastler zeigen komplette Gartenhäuser aus PET-Flaschen. Die sehenswerte Ausstellung wird ergänzt durch Texttafeln über kreatives Recyclen in der Tschechischen Republik. Die Fotos dazu stammen von Richterovás Mann, einem Fotografen.