Ausstellungen Bremen


Focke Museum

Gisèle Freund –
Porträts und Reportagen

13.6. - 4.10.2009



Öffnungszeiten:
Di 10-21 Uhr
Mi-So 10-17 Uhr









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"Gisèle Freund – Porträts und Reportagen"

140 zum Teil handsignierte Aufnahmen

Sie konnte sie alle vor die Kamera locken, die international berühmten Schriftsteller, Künstler und Intellektuellen im Paris der 30er Jahre: Walter Benjamin, James Joyce, Jean-Paul Sartre, Marcel Duchamp, Virginia Woolf, Simone de Beauvoir, Colette, James Joyce, T.S. Eliot, George Bernard Shaw, André Malraux und Frieda Kahlo, in deren Haus in Mexiko sie zwei Jahre lebte.

Intellektuelle Avantgarde

"Als 'Porträtistin des Geistes' pflegte sie Bekanntschaft und Freundschaft zu vielen international bedeutenden Schriftstellern und Künstlern. So spiegelt sich in Gisèles Freunds Leben und Werk ein kleines Panoptikum europäischer Geistesgeschichte." heißt es in der Ausstellung.
Gisèle Freund wurde in Deutschland geboren und wuchs als Tochter gebildeter und wohlhabender jüdischer Eltern auf. Ihr Vater schenkte ihr zum Abitur eine Leica und legte damit den Grundstein für ihren weiteren Lebensweg.
1933 floh sie vor den Nazis nach Paris, konnte sich dort mit Unterstützung der Buchhändlerin und Schriftstellerin Adrienne Monnier etablieren und lernte die intellektuelle Avantgarde kennen.1942 musste sie erneut vor den Nazis fliehen, nach Südamerika.

In Gesichtern lesen

Gisèle Freund, politisch engagiert und literarisch belesen, fotografierte zwar Prominente aus Politik, Kunst und Literatur, aber sie wollte den Menschen dahinter kennen lernen. Dabei sind ihr beeindruckende Momentaufnahmen gelungen, die man alle schon mal gesehen zu haben glaubt, selbst wenn man in dieser Ausstellung das erste Mal davor steht.
"Der Fotograf muss in einem Gesicht lesen wie in einem Buch. Er muss auch das entschlüsseln, was zwischen den Zeilen steht. Um ein guter Fotograf zu sein, muss man verstehen, die Formen und ihren Geist in Licht und Schatten zu übersetzen".
Immer führt uns Gisèle Freund einen besonderen Wesenszug der jeweiligen Personen vor, die sie stets so intensiv ins Gespräch zu verwickeln suchte, dass sie die Kamera glatt vergaßen.

Ein Lächeln der Beauvoir

Simone de Beauvoir konnte sie sogar ein leises Lächeln entlocken und damit eine Rarität festhalten. Denn, so ist zu lesen, die Beauvoir lächelte nie, wie auf dem Farbfoto daneben, im blauen Rock auf rotem Sofa liegend, einen Stapel Bücher vor sich. Farbfilme waren damals gerade erst auf dem Markt und noch sehr teuer.

Reportage zum Broterwerb

Die Ausstellung dokumentiert auch die andere Seite der Fotografin, die über die Sozialgeschichte der Fotografie promovierte und als Reporterin in einer Zeit Geld verdienen musste, als die Fotoreportage noch in den Kinderschuhen steckte.
Sie fotografierte 1932 die Mai-Demonstrationen in Frankfurt und 1935 auf dem "1. Internationalen Schriftstellerkongress zur Verteidigung der Kultur" in Paris. Später wird sie für die großen Magazin Time und Life arbeiten.