Ausstellungen
Bremen
Kunstsammlungen Böttcherstrasse

"Elfriede Lohse-Wächter"


Bis 03. Mai 2009

Paula Modersohn-Becker Museum
Böttcherstrasse 6-10
28195 Bremen
Tel. 0421 - 336 50 77

Öffnungszeiten:
Di-So 11 - 18 Uhr


Bild der Ausstellung Elfriede Lohse-Wächter, Kultur, Freizeit in Bremen ELFRIEDE LOHSE-WÄCHTER
Lissy (1931)





"Elfriede Lohse - Wächter"

Nach der Ausstellung Jeanne Mammen widmet man sich im Museum Böttcherstraße nun ihrer Zeitgenossin Elfriede Lohse-Wächter. Diese Ausstellung dokumentiert einerseits ihre großartige künstlerische Arbeit und andererseits ihr tragisches Leben.

Von existentiellen Sorgen zum Nervenzusammenbruch

Elfriede Wächter wird 1899 - wie Paula Modersohn-Becker - in Dresden geboren, löst sich mit 16 Jahren von ihren Eltern, um ihren eigenen Weg zu gehen und sich radikal gegen alle bürgerlichen Konventionen zu stellen.Sie studiert in Dresden, schließt sich der Künstlergemeinschaft um den Dadaisten Johannes Baader an und der "Gruppe 1919" (Dresdener Sezession) mit Otto Dix und Conrad Felixmüller.
1921 heiratet sie den Maler und Sänger Kurt Lohse, der sie in jeder Hinsicht ausnutzt. Auch nach ihrem Umzug nach Hamburg bleiben die existentiellen Geldsorgen, die längst zerrüttete Partnerschaft geht endgültig in die Brüche. Sie erleidet einen Nervenzusammenbruch, wird in eine psychiatrische Anstalt eingeliefert, wo man einen Verdacht auf Schizophrenie diagnostiziert. Diese nie bewiesene Diagnose verfolgt Elfriede Lohse - Wächter bis in den Tod.

Malerin selbst in der Psychiatrie

In den Monaten, die sie in der Psychiatrie verbringen muß, malt sie ihre Mitpatienten. Mit diesen Bildern und Zeichnungen, den "Friedrichsberger Köpfen", erntet sie 1929 höchstes Lob von Galerien und Kunstkritikern. Sie ist die einzige bekannte Künstlerpersönlichkeit, die - selbst als Kranke eingeliefert - ihre Mitpatienten gemalt hat. Dabei nahm sie stets den Menschen und seine Situation ernst und hielt sich mit einer eigenen Beurteilung zurück.
Neben diesen Portraits anderer Menschen hat sie zahlreiche Selbstbildnisse gemalt, Abbilder einer ernsten, kritischen Frau, die vom Leben nicht verwöhnt wird, keinen Grund zum Lächeln hat.

Nachtleben auf St.Pauli

Die Ausstellung zeigt auch ihre Bilder aus dem St.Pauli Milieu Ende der 20-iger Jahre. Dorthin hatte es sie aus bitterer Not veerschlagen. Sie lebt ohne feste Unterkunft, lernt das Leben des Rotlichtmilieus aus nächster Nähe kennen und malt es ohne zu moralisieren.

Sie malt und zeichnet unentwegt, nicht nur Milieubilder, sondern auch Bilder mit ihrem zwischenzeitlichen Geliebten und - als damals einzige Frau nach Paula Modersohn-Becker - Bilder ihres nackten Körpers.

Ein schreckliches Ende

Aus materieller Not kehrt sie 1931 zu ihren Eltern nach Dresden zurück, ein schmerzliches Eingeständnis ihres Versagens. Sie wird 1932 in die Psychiatrische Anstalt Arnsdorf eingewiesen, als "Schizophrene" zwangssterilisiert und 1940 durch das "Euthanasieprogramm" in Gaskammern ermordet.
Viele ihrer Bilder sind von die Nazis als "entartete Kunst" vernichtet worden. Glücklicherweise blieben aber zahlreiche Werke erhalten, die in dieser beeindruckenden Ausstellung einer fast vergessenen Künstlerin präsentiert werden.