Museum Bremen


"Über das Wasser –
Gustave Caillebotte

Ein Impressionist wieder entdeckt"


Der Impressionist Gustave Caillebotte, Ausstellung Bremen Kunsthalle Bremen, Ausstellung, Kultur, Freizeit in Bremen
Ausstellung in der
Kunsthalle Bremen
Am Wall 207
29.6. bis 5.10.2008

Öffnungszeiten:
Di 10 - 21 Uhr
Mi - So 10 - 18 Uhr

"Über das Wasser – Gustave Caillebotte
Ein Impressionist wieder entdeckt"

Da schwimmt seit Wochen auf dem Bremen Stadtgraben in den Wallanlagen ein kleines hellblaues Segelboot: Eines Tages trugen die Segel ein schönes impressionistisches Bild zur Schau – das Geheimnis war gelüftet: "Über das Wasser – Gustave Caillebotte. Ein Impressionist wieder entdeckt".
Die neue Ausstellung in der Kunsthalle, in Zusammenarbeit mit Ordrupgaard Kopenhagen veranstaltet, stellt einen nahezu unbekannten Künstler vor.

Caillebotte - Maler und Bootsbauer

Weil Caillebotte nicht nur gemalt, sondern auch Boote gebaut hat, ist im Foyer der Kunsthalle eine originale Nachbildung seiner Yacht "Roastbeef" zu bewundern. Ein merkwürdiger Name für ein Schiff? Bei der Eröffnung verrät Dorothee Hansen, die Kuratorin der Ausstellung: "Roastbeef nennen die Franzosen spöttisch die Engländer".

Leuchtende Transparenz

Caillebottes Arbeit als Bootskonstrukteur, Präsident des Segelclubs "Cercle de la voile de Paris", Herausgeber der ersten französischen Seglerzeitschrift "Le Yacht" und Werftbesitzer ist Teil einer Ausstellung, die von besonders reizvollen Kontrasten lebt: Schrifttafeln, Podeste und Wände in leuchtendem Blau, wie kleine Skulpturen anmutende Bootsmodelle in hochglanzlackiertem Holz und drumherum impressionistische Gemälde, in denen Wasser und Natur leuchtende Transparenz ausstrahlen.

Wasser und schnelle Yachten

Der Maler, Bootsbauer und Mäzen liebte das Wasser, konstruierte schnelle Yachten und gewann zahlreiche Segelregatten. Vor allem aber machte er sich einen Namen als Förderer und Sammler der Impressionisten, die Ende des 19.Jahrhunderts so sehr verschmäht wurden. Um sein Testament wurde jahrelang gerangelt. Er hatte seine umfangereiche Sammlung dem Musée du Luxembourg vermacht. Aber die wollten die Bilder zunächst gar nicht haben. Heute sind sie im Musée d'Orsay zu sehen.

Impressionistische Malerei in der Kunsthalle

Auch Gustav Pauli, der erste Direktor der Bremer Kunsthalle, stieß mit dem Ankauf impressionistischer Gemälde Anfang des 20. Jahrhunderts auf Ablehnung. In Paris fand er Trost, im "Salle Caillebotte" im Musee du Luxembourg, wo es keinen ignoranten Kritiker gab, die gegen die "Invasion französischer Kunst" protestierten, als Pauli Vincent van Goghs "Mohnfeld" erstanden hatte.

Radikale Perspektiven

Gustave Caillebotte war nicht nur ein bemerkenswerter Mäzen so berühmter Impressionisten wie Monet, Renoir, Degas, Pissarro oder Manet. Er war auch ein innovativer Künstler, der in Perspektive und Motiv "radikale Bilder" malte. Die konnte sich, so Dorothee Hansen, "nur leisten, wer unabhängig war und nicht verkaufen musste". Das erklärt auch seine geringe Bekanntheit.
Caillebotte stammte aus wohlhabender Familie. In Museen findet man seine Bilder kaum, ein großer Teil der Gemälde, die in der Kunsthalle zu sehen sind, kommen aus Privatbesitz.

Ungewohnte Motive

Caillebotte malte Meer, Seen, Flüsse und immer wieder Boote, aber er suchte auch neue Motive: Modernes Leben, Menschen einer anderen Klasse, z.B. arbeitende Männer wie die "Parkettabzieher", oder Ruderer, deren kraftvolle Bewegungen ihn faszinierten. Zu Beginn seiner künstlerischen Arbeit malte er Pariser Straßenszenen mit ungewohnten und besonderen Perspektiven.

Sinnliches Vergnügen

"Über das Wasser – Gustave Caillebotte. Ein Impressionist wiederentdeckt" präsentiert die außergewöhnliche Vielfalt eines Künstlers, der als Maler und Bootsbauer der Faszination des Wassers erlag; der sein Vermögen nutzte, um Malerkollegen zu unterstützen und ihre Arbeit zu fördern.
Die Ausstellung zu besuchen, ist ein sinnliches Vergnügen - nicht zuletzt auch, weil Titel und Herkunft über den Bildern zu lesen sind. Wer jemals meinte, dort würden diese Informationen stören, kann sich in der Kunsthalle vom Gegenteil überzeugen.