"Luxus und Dekadenz"


"Römisches Leben am Golf von Neapel"

Focke-Museum
Bremen
Schwachhauser Heerstraße 240
Bremen

Öffnungszeiten
Dienstag:
10 - 21 Uhr
Mi - So:
10 - 17 Uhr

Eintrittspreise für die
Sonderausstellung
"Luxus und Dekadenz"
10 - 18 Uhr

Erwachsene 8 Euro
Ermäßigt 4 Euro
Familien 16 Euro

Öffentliche Führung
"Luxus und Dekadenz"
(inkl. Eintritt)
Erwachsene: 12 Euro
Ermäßigt: 7 Euro

Außerdem gibt es Führungen in lateinischer Sprache
(Anmeldung erforderlich)
Tel.0421 - 699 600 0


"Luxus und Dekadenz"
Römisches Leben am Golf von Neapel

Ausstellung im Focke-Museum Bremen

Eine Schau, die 1.5 Millionen kostet, ist angesichts leerer Kulturkassen selbst ein Luxus, aber einer, der vielen Menschen zugute kommt. Die Ausstellung im Focke-Museum entstand in Kooperation mit dem westfälischen Römermuseum Haltern, der archäologischen Staatssammlung München und dem niederländischen Museum Het Valkhof Nijmegen.
Nach Bremen wird sie in München und in den Niederlanden gezeigt, dann geht die Schau nach Japan. Die wertvollen Exponate, die zum Teil erstmals außerhalb Italiens zu sehen sind, kommen aus dem Archäologischen Nationalmuseum Neapel und aus Pompeji. Viele Exponate sind eigens für diese Ausstellung restauriert worden.

Perlenschmuck für Lieblingsfische

Zu Beginn der Ausstellung lehrt uns ein virtuelles Wasserbecken wie Muränen aussahen, die mit kostbaren Perlenohrringen geschmückt wurden und dass Fischzucht ein beliebtes Hobby der reichen Römer war. Die Steuern aus den Provinzen ermöglichten den enormen Wohlstand, nachdem die Römer den gesamten Mittelmeerraum erobert hatten. Am Golf von Neapel ließen sich die Reichen vor allem wegen des milden Klimas nieder.

Licht und Schatten

Die Austellung besticht nicht nur durch die Fülle ihrer wertvollen Exponate, sondern auch durch ihre sinnliche Präsentation: Man geht buchstäblich durch Licht und Schatten dieser Zeit, begleitet von Zitaten zeitgenössischer Schriftsteller und Philosophen, durch helle und strahlende Räume, in denen uns Glanz und Pracht begegnen. Andere Räume sind schwarz ausgekleidet, was die Artefakte hinter Glas, den wertvollen Schmuck und die kostbaren Wandmalereien, besonders geheimnisvoll macht.

Lukullische Gelage

Lukullisch steht für genießerisch. Der römische Feldherr Lucullus war bekannt für üppige Feste. Es waren im Sinne des Wortes Gelage und der fantasiebegabte Betrachter kann sich im Focke-Museum angesichts pompejischer Wandmalereien, edler Trinkgefäße, Möbelstücke und farbenprächtiger 3-D-Animationen lebhaft vorstellen wie sich ein solches Mahl vor 2000 Jahren abgespielt haben muss.

Gebratener Siebenschläfer

"Luxus braucht Bewunderer und Mitwisser" belehrt uns der Philosoph Seneca, also macht uns diese Ausstellung zu staunenden Mitwissern römischer Prunk- und Genußsucht. Wir stellen uns vor, wie sich vor den Gästen die Tische aus edlen Hölzern oder Elfenbein buchstäblich bogen. Aufgetischt wurden Kamelfersen, Eberbraten, Singdrosseln und Flamingozungen, Muränen und Austern, Wild und Geflügel jeder Art. Der Wein floss in Strömen und auch das kostbare Wasser, das verschwenderisch in zahlreichen Brunnen und Brünnlein plätscherte.

Hüter des Tafelgeschirrs

Während die feinen Herren bei Tisch lagen, sprangen unzählige Sklaven um sie herum. Sie waren Hüter des Tafelgeschirrs und des Küchengeräts, Trancheure, Abräumer und Zeitansager. Die vielen Diener brauchten Aufgaben. Also wurden sie erfunden, bis hin zum Schuhdiener und Kleiderwächter. Auf den Wandmalereien sieht man die Sklaven deutlich kleiner dargestellt als ihre vornehmen Herrschaften. Von ihrem Leid erzählt eine martialische Sklavenfessel.

Brot und Spiele

Es war der Luxus weniger. Das gemeine Volk lebte in Armut und musste sich mit Brot und Spielen begnügen, die vor Wahlen besonders üppig ausfielen. Das hieß immer auch: besonders brutal. Wählerstimmen ließ man sich einiges kosten, sogar den vielfachen Gladiatorentod, dokumentiert in Ausschnitten aus Historienfilmen.

Süßes Gift

Die Damen badeten in Eselsmilch in einer Marmorbadewanne, zu der ein Heizkesselsystem für die Warmwasserbereitung gehörte. Es ist das einzige römische Privatbad, das erhalten ist und in dieser Schau gezeigt wird. Man lustwandelte in kunstvoll angelegten Gärten und bestaunte Satyr-, Amor- und Venusstatuen aus Marmor und Bronze, am liebsten von Künstlern aus Griechenland.
"Nachdem man piekfeine Bäder eingeführt hat, sind die Menschen schmutziger geworden", kommentiert Seneca, denn es fehlte nicht an Kritik in diesem Imperium des Luxus und der Dekadenz. Aber "Luxus ist ein süßes Gift, das man viel leichter anklagen als vermeiden kann". Ein Gift, das seinen Reiz nicht verloren hat.

(Christiane Schwalbe)