"Paula und die ägyptischen Mumienporträts"


Kunstsammlungen Böttcherstraße
Paula Modersohn-Becker Museum Bremen
bis zum 24.2.2008
Ausstellung, Paula und die ägyptischen Mumienportraits Ausstellung im Paula Modersohn-Becker Museum Bremen


"Paula und die ägyptischen Mumienporträts"

Kunstsammlungen Böttcherstraße
Paula Modersohn-Becker Museum Bremen

Es wird eng - buchstäblich. Denn "Paula“ geht in den Endspurt und das bedeutet Schlangen an den Kassen, Wartezeiten, Gedränge in den Räumen. Aber die Bilder lohnen es allemal und die neue Beziehung zu ihr auch. Paula ist den Bremerinnen und Bremern ans Herz gewachsen. Man spricht über sie gleichsam wie über eine Tochter oder Schwiegertochter:

"Unsere Paula"

- "Was hätte unsere Paula noch alles schaffen können ... Schau mal, wie in sich gekehrt sie guckt. Als ahne sie, was ihr bevorsteht. ...“
- "Das wusste sie doch sowieso, sie schrieb doch selbst, dass sie nicht lang leben würde ... Heutzutage hätten wir sie sicher retten können ...Wie versonnen Sie uns anschaut ...“
- "Wie hübsch sie aussieht, ob Otto das wohl bemerkt hat?“
- "Kaum ist sie in Paris, entdeckt sie die Farben wieder! In Worpswede muss sie es düster gehabt haben ... Zum Glücke hatte sie die gute Freundin Clara an ihrer Seite“

Impulse aus der Antike

Kommentare über eine Künstlerin, die ihrer Zeit weit voraus war. Sichtbar ist dies einmal mehr im Vergleich mit den ägyptischen Mumienporträts, die sie im Pariser Louvre für sich entdeckte und die sie zu ausdrucksstarken Selbstporträts inspirierten. "Ich stand bis jetzt der Antike sehr fremd gegenüber ... ich konnte kein Band finden von ihr zu moderner Kunst. Und nun habe ich es gefunden ... Jetzt fühle ich tief, wie ich an den Köpfen der Antike lernen kann. ... solche Sehnsucht, alte Kunst zu schauen ...“

Gewagter Zeitsprung

Rainer Stamm, Direktor des Modersohn-Museums, dem für diese Ausstellung kostbare Leihgaben aus London, Paris und Basel zur Verfügung gestellt wurden, schreibt dazu im Katalog:
"Von den ägyptischen Mumienporträts, die den Anfang der bürgerlichen Porträtmalerei überhaupt markieren, wagen wir den Sprung ins 20. Jahrhundert: Von 1903 bis 1907 schuf Paula Modersohn-Becker eine Reihe von Gemälden, die nicht nur am Anfang der Moderne stehen, sondern auch eine Rückbesinnung auf die antiken Bildnisse zum Ausdruck bringen. Mit diesen Porträts dringt sie zu einem völlig neuen Stil vor, der richtungweisend für weitere Generationen werden sollte“.

Lust am Leben

Im Museumsshop finden Sie einen wunderbaren Katalog zum Thema, dazu Bücher, DVDs, Poster und Postkarten und allerlei Accessoires zur Erinnerung an die große Künstlerin. Ihr begegnen wir in der Ausstellung nicht nur in ihren Selbstporträts, sondern auch in vielen Zitaten aus Briefen und Tagebüchern. Sie zeigen einmal mehr, über welch' geistigen und seelischen Reichtum diese Frau verfügte und welche Lust am Leben sie ausstrahlte:
"Des Nachts, wenn ich aufwache, und morgens, wenn ich aufstehe, ist es mir, als wenn etwas Traumhaft-Schönes auf mir liege. Und dann ist es doch nur das Leben, das mit seinen schönen Armen ausgebreitet vor mir steht, auf dass ich hineinfliege ...“

Lob in der Presse

"Deutschlands Picasso ist eine Frau" schrieb die Frankfurter Allgemeine Zeitung zur Eröffnung der Ausstellung in der Bremer Kunsthalle im Oktober 2007 und stellte damit den Ruf der Presse wieder her. Den hatte der Kunstkritiker Arthur Fitger schwer ramponiert als er über Paulas erste Ausstellung in der Kunsthalle im Dezember 1899 in der Weserzeitung nahezu angeekelt schrieb, "der Wörterschatz einer reinlichen Sprache“ reiche für die Beurteilung der Bilder nicht aus, "und bei einer unreinlichen wollen wir keine Anleihe machen. ...“

Letzte Gelegenheit

Bis zum 24. Februar ist noch Gelegenheit, Paula in ihrer künstlerischen Größe zu entdecken: In der Kunsthalle Bremen:"Paula Modersohn-Becker und die Kunst in Paris um 1900 - von Cézanne bis Picasso“ Im Paula Modersohn Becker-Museum in den Kunstsammlungen Böttcherstraße in Bremen: "Paula-Modersohn-Becker und die ägyptischen Mumienporträts“. In Worpswede:"Leben“ im Barkenhoff/Heinrich-Vogeler-Museum, Haus im Schluh und Grosse Kunstschau Worpswede.

(Christiane Schwalbe)