Paula in Paris

bis zum 24.2.2008
Kunsthalle Bremen
Katalog 25 Euro

Bild, Säugling mit der Hand der Mutter Säugling mit der Hand der Mutter


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"Paula in Paris"

Paula Modersohn-Becker und die Kunst in Paris um 1900
Von Cézanne bis Picasso
Kunsthalle Bremen

„Ich sehe diese Pariser Reisen an als Ergänzung meines hiesigen, etwas einseitigen Lebens und ich fühle, wie dieses Untertauchen in eine fremde Stadt mit ihren tausend Schwingungen nach zehn ruhigen Worpsweder Monaten mir ungefähres Lebensbedürfnis wird“,
schreibt Paula Modersohn-Becker 1905 an ihre Mutter. Nur noch zwei Jahre bleiben ihr in ihrem kurzen Leben, aber diese zwei Jahre werden ihre produktivsten. Vielleicht, weil sie eine Vorahnung von ihrem frühen Tode hatte:
„Ich weiß, ich werde nicht sehr lange leben. Aber ist das denn traurig. Ist ein Fest schöner, weil es länger ist? Und mein Leben ist ein Fest, ein kurzes, intensives Fest. (...) Und wenn nun die Liebe mir noch blüht, vordem ich scheide, und wenn ich drei gute Bilder gemalt habe, dann will ich gern scheiden mit Blumen in den Händen und im Haar.“

Paris leuchtet

Der tiefe Himmel über Worpswede war für Paula anfänglich „ein Wunderland, ein Götterland“. Aber die Provinzialität des kleinen Künstlerdorfes, die engen gesellschaftlichen Regeln für Künstlerinnen der damaligen Zeit ließen es Paula Modersohn-Becker nicht mehr lange so gut aushalten in Worpswede. Es zog sie hinaus in die Welt, nach Paris, wo sie mit dem Skizzenblock durch die Straßen lief:
„Oft, wenn ich oben auf dem Omnibus saß, hat mir das Herz gelacht über diese schöne Stadt“. Hier fand sie Anregung und Inspiration, hier konnte sie in Museen und in Galerien Bilder studieren. Wie sie sich gefühlt haben muss, erst recht als die Freundin Clara Rilke-Westhoff nach Paris kam, ist bei Gunna Wendt in „Clara und Paula“nachzulesen: „Oh Clara, Sie und ich in Paris. Das ist ein Fest. Da ist Champagner in der Luft“.

Mutig und zielstrebig

Vier Mal war Paula in Paris, insgesamt eineinhalb Jahre. Sie war eine eigenwillige, mutige, selbstbewusste und zielstrebige Frau, deren Vater außerordentlich fortschrittlich dachte als er seiner Tochter nach der Ausbildung zur Lehrerin erlaubte, Künstlerin zu werden. In Paris studierte sie die alten Meister, begeisterte sich für Cézanne und Gauguin, fand im Louvre die Mumienporträts, die sie zu eigenen Bildern inspirierten.
In den privaten Pariser Akademien durfte sie lernen, was Frauen in Deutschland verboten war: öffentliches Aktzeichnen. Also war sie die erste deutsche Künstlerin, die sich selbst nackt malte. Ein Tabubruch ohne gleichen und ein Riesenschritt vorwärts in der Kunstgeschichte. Anrührend und revolutionär zugleich „Deutschlands Picasso ist eine Frau“, schrieb nach der Eröffnung der Bremer Ausstellung die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Eine junge Frau formulierte es nach dem Besuch der Ausstellung so: „Ich wusste gar nicht, wie vielfältig diese Frau gemalt hat, wie schön und anrührend ihre Bilder sind. Ich hatte bei ihr immer nur die düsteren Worpsweder im Kopf, grau, braun, grün in den Farben. Dieser Ausdruck in den Gesichtern, die Zartheit, die Farbigkeit , die Reduzierung auf das Wesentliche ... das ist einfach grandios“.

Radikal neue Bildersprache

Paulas Mut, sich um malerische Konventionen nicht zu scheren, neu und anders zu malen als bisher, war umso bewundernswerter, als einzig der Bildhauer Bernhard Hoetger sie in ihrem Tun unterstützte und ermutigte, auf ihrem Weg weiterzumachen.
„Ich fange jetzt auch an zu glauben, dass aus mir etwas wird“.
100 Jahre nach ihrem Tod würdigt diese bemerkenswerte Ausstellung in der Bremer Kunsthalle die radikal neue Bildersprache Paula Modersohn-Beckers. Im Vergleich mit den großen Zeitgenossen der französischen Malerei, deren Bilder neben denen Paulas hängen, wird deutlich, wie revolutionär diese junge Frau das Kunstverständnis verändert hat. Nur hat es damals niemand wahrhaben wollen: Paula Modersohn-Becker hat zu Lebzeiten nur ein einziges Bild verkauft, an Rainer Maria Rilke und seine Frau Clara Westhoff das Bild „Säugling mit der Hand der Mutter“.

(Christiane Schwalbe)